Tech-Kapitalismus und die Mythen der Macht

Populäre Mythen in Digitalien. Quelle: Ventil Views. unsplash.com

Der folgende Text verbindet mehrere zeitgeschichtliche Stränge: die gesellschaftliche Bedeutung von Pop- und Subkulturen, ihre Verschränkung mit technologischem Wandel und technologischer Machtentwicklung. Wie konnte aus  digitalen Utopien der Gegenkultur die Tech-Oligarchie von heute wachsen?

Zwei Texte aus der aktuellen Ausgabe des philosophischen Wirtschaftsmagazins agora42 (Schwerpunkt: Technik) brachten mich auf die Idee, diesen Zusammenhang genauer zu behandeln.

Anna-Verena Nosthoffs Die Geburt des Tech-Kapitalismus aus dem Geist der Gegenkultur – ein Auszug aus ihrem demnächst erscheinenden Buch Kybernetik und Kritik (15.02.) – knüpft an den Whole Earth Catalog und die Gegenkultur der Bay Area an. Sie bringt die damalige Hoffnung auf den Punkt: Computer erschienen als geeignete Werkzeuge zur Weiterführung ihrer Ziele, als demokratische Traummaschinen. Sie versprachen unmittelbare Partizipation, individuelle Teilhabe sowie gänzlich neue Organisationsformen jenseits jeder Machtanhäufung.
Die vollständige Argumentation zur Rolle kybernetischen Denkens wird in ihrem Buch nachzulesen sein.
Marc Drehers Text Zwischen Code und Kultur: Das Silicon Valley als Mythos und Machtmaschine zeigt die Transformation dieser Hoffnung: Historisch gesehen sei das Silicon Valley zwar ein Produkt der subversiven Gegenkultur der 1970er Jahre – angekommen ist es heute in einem libertären Autoritarismus. Technik trägt immer die Werte und Weltbilder ihrer Schöpfer in sich. Sie entscheiden, was sichtbar wird, was unsichtbar bleibt, was messbar und was zählbar ist. Die kulturelle Macht von Technik, so Dreher, beruht gerade darauf, dass sie als Naturgesetz und nicht als sozialer Aushandlungsprozess präsentiert wird. (S. 23).

Die Versprechen demokratischer Teilhabe sind der Ausgangspunkt. Der folgende Text zeichnet die kulturellen Linien dieser Transformation nach, die Herausbildung einer  Geek-Kultur und ihre Verschränkung mit Mythologien.

Die Ursprünge: Gegenkultur und digitale Utopie

Kalifornische Ideologie: Burning Man Festival – Bild: Juan Carlos Ramirez.Unsplash+

San Francisco und die gesamte Bay Area zählten zu den Epizentren des Aufbruchs jener Zeit. Ein kulturelles Klima, in dem nonkonformistische Lebensentwürfe anschlussfähig wurden, hatte sich dort bereits seit den Zeiten der Beatniks der 1950er Jahre ausgeprägt.

Bewegungen mit globaler Ausstrahlung hatten hier ihren Ausgangspunkt. Ohne Beatniks, Hippies, Kommunarden und Gay Liberation hätte es die frühe digitale Kultur nicht in dieser Form gegeben. Sie schufen soziale und kulturelle Voraussetzungen und brachten eine Offenheit gegenüber alternativen Lebens- und Organisationsformen mit sich. In dieses Klima alternativer Bewegungen reihte sich die frühe digitale Kultur, als  Cyberculture  ein.
Auch die massive Präsenz psychedelischer Drogen, insbesondere LSD, wird mit der Lockerung hierarchischer Zwänge und einer gesteigerten Offenheit für neue Denk- und Organisationsformen in Verbindung gebracht. Exzentrik wurde nicht sanktioniert, sondern als Innovationskraft gefeiert.

Oft erwähnt wird der  Whole Earth Catalog (Statement: We are as gods and might as well get good at), der sich als Brücke zwischen Hippie-Ethos und Technologie verstehen lässt. Von seinem Backcover stammt der oft mit Steve Jobs verbundene Spruch stay hungry, stay foolish, eine Verbindung, die Apple unter Jobs meisterhaft für sein Marketing nutzte. Sie sprach insbesondere ein Klientel an, das sich selbst als kreative Elite verstand.

Das Ecosystem: Kultureller Kitt und ökonomische Macht

Die Gegenkultur bzw. Cyberculture ist die eine Seite. Eine Geschichte,  die das Silicon Valley selbst gern erzählt und auf die es gern zurückgreift. Mit Nachwirkungen im Stil und im Selbstverständnis, als Referenz in Marketingkampagnen. Die damit verbundene Ästhetik der Rebellion wird gerne hervorgehoben – sie passt zu gut zur Inszenierung als kreative Rebellen.
Ein kultureller Kitt, der das Ecosystem des Silicon Valley zusammenhält. Dieses Ecosystem besteht aus mehreren Elementen: der Talent-Pipeline der Universitäten (Stanford, Berkeley), dem Venture Capital, einer Infrastruktur spezialisierter Dienstleister – und eben jenem kulturellen Mythos, in dem Rebellion zur Corporate Identity wurde und sich langsam zum Gestus der Disruption wandelte.
Dieser Mythos wirkt wie ein Magnet für Talente weltweit und kaschiert gleichzeitig die harten ökonomischen Abhängigkeiten.

Um zu einem Innovationszentrum mit globaler Ausstrahlung zu werden brauchte es gewaltige finanzielle Mittel, die zunächst u.a. aus dem Verteidigungshaushalt der USA stammten und die Forschungslandschaft der führenden Universitäten. Börsengänge spielten seit den 1980er Jahren eine wachsende Rolle, und ab einem bestimmten Zeitpunkt war es das aggressive Risikokapital, das die Ausrichtung der Industrie bestimmte.

Der Kipppunkt: Wenn die digitale Ordnung die Macht übernimmt

Damit verändert sich die Struktur der Macht selber. Digitale Infrastrukturen werden selber zur Ordnung der Macht.  Sichtbarkeit, Relevanz, Zugänglichkeit, Einfluss und Wert werden neu sortiert. Macht liegt nicht mehr zwingend in Befehlsgewalt, sondern in der Fähigkeit, Relationen zu strukturieren.
Ein Kipppunkt liegt dort, wo die digitale Ordnung der Dinge bedeutender wird als die bislang bestehende – wenn digitale Infrastrukturen so zentral werden, dass Digitalunternehmen die Regeln festlegen, nach denen sich andere richten müssen.
Sichtbar wurde dieser Kipppunkt etwa mit dem Verschwinden der Maxime Don’t be evil  aus dem Verhaltenskodex von Google (2015).

Cyberlibertarismus: Von der Utopie zur Oligarchie

Seit der Allianz von MAGA und Tech-Eliten gibt es einen besonderen Erklärungsbedarf – wie konnten aus techno-utopischen Ideen oligarchische Machtstrukturen wachsen?

Vor einem Jahr hatte ich unter dem direkten Eindruck der Ereignisse rund um die Trump’sche Inauguration Cyberlibertarianism -The Right-Wing Politics of Digital Technology von David Golumbia gelesen und besprochen (Link zur Rezension). In seinem Kern gründet Cyberlibertarismus auf der Überzeugung, dass digitale Technologie außerhalb der Kontrolle demokratischer Regierungen stehen sollte – also auch jenseits demokratisch legitimierter politischer Souveränität.
Golumbias Werk ist ein Schlüsseltext zu den zunächst widersprüchlich erscheinenden Freiheitsbegriffen rund um die Techkultur. Freiheit wird als Abwesenheit von Regulierung, nicht als Fähigkeit zur Teilhabe verstanden.

Einige Elemente der frühen Cyberculture führen heute ein Eigenleben – mit umgekehrten Vorzeichen. Die radikale Ablehnung staatlicher Einmischung, wie sie sich etwa in Declaration of the Independence of Cyberspace (1996) zeigt, richtete sich gegen Regierungen, die ein marginales Internet regulieren wollten. Heute richtet sich dieselbe Rhetorik  (vgl. das Techno-Optimist Manifesto von Marc Andreessen, 2023) gegen demokratische Kontrolle von Unternehmen, die nach globalen Monopolen streben.
Aus den Free Speech Activists wurde die Parole Free Speech. Erstere meinten das Bürgerrecht, gehört werden zu können – den Zugang zum öffentlichen Raum. Heute nutzen Tech-Oligarchen den Slogan Free Speech als Argument, um Regulierung durch ( demokratisch legitimierte) Staaten zu verhindern.

Geek-Kultur: Vom Außenseitertum zum globalen Resonanzraum

In Le Pouvoir des Geeks von Damien Leloup, Tech-Journalist bei Le Monde, geht es um den Aufstieg der Geek-Kultur von einer randständigen Subkultur zu einer prägenden Kraft, die mittlerweile in Führungspositionen von Politik und Wirtschaft angekommen ist.
Ursprünglich waren Nerds und Geeks³ eher das Gegenteil von cool. Ihr Habitus war nicht rebellisch, eher markiert durch soziale Ungeschicklichkeit, Regelbefolgung, einen Rückzug ins Technische oder Fiktionale.

Erst in der Tech-Kultur wurden Geeks cool, nicht trotz, sondern wegen dieser Eigenschaften. Geek-Kultur entwickelte sich als Habitus, der in den  Ecosystemen der Digitalwirtschaft – nicht nur im Silicon Valley, sondern weltweit – sein Habitat fand: intensive Beschäftigung mit Coding, Gaming und komplexen Systemen, eine hohe Toleranz gegenüber Unfertigem, experimentellen und spekulativen Entwürfen, eine starke Verbindung zu fiktiven Welten. Ein Habitus, der zu den Strukturen von Startups, Venture Capital und Plattformökonomie passt.
Geek-Kulturen werden so zum Labor technischer Innovationen. Was hier akzeptiert wird – etwa VR-Gadgets, neue Interfaces oder spekulative KI-Anwendungen – gilt als kulturell anschlussfähig. Aus Spielerei wird Möglichkeit, aus Exzentrik Marktwert. Dass Risikokapitalfirmen diese Kulturen aufmerksam beobachten, ist kein Zufall.

Leloup, der sich selber in der Geek-Kultur verankert sieht, versteht Geeks als eine Meta-Gemeinschaft, vereint durch Begeisterung für Technik, Fantasie, intellektuelle Neugier und Toleranz, sichtbar nach außen in einem typischen Style – Hoodie statt Anzug, Nerd-Chic, Symbolik aus Games und Fiktion – und zugleich getragen von einem Habitus, der Machtunterschiede verschleiert: Der Milliardär im Hoodie, wie etwa Marc Andreessen, ein Prototyp des Alpha-Geek inszeniert sich als Aussenseiter, obwohl er die Regeln des Spiels bestimmt.
Tech-Oligarchen wie Elon Musk, Peter Thiel, Alexander Karp stilisieren sich nicht als Kapitalisten, sondern als Sonderlinge mit Vision. Leloup beschreibt Musks Selbstinszenierung treffend als le petit face au grand, obwohl er der reichste Mensch der Welt ist.
Meta-Chef Marc Zuckerberg lässt sich nur bedingt einreihen, zwar ebenso in der Geek-Kultur verwurzelt, ist seine Haltung weitaus mehr von Opportunismus bestimmt. 

Tech-Oligarchen lassen sich nicht ohne die Geek-Kulturen verstehen, die ihre Persönlichkeiten, Werte, Ängste und Träume geformt haben. Leloup vermerkt, dass auch die Neue Rechte erkannt hat, dass diese Kulturen eine Machtbasis darstellen und dass bestimmte Elemente innerhalb dieser Gemeinschaften für politische Zwecke nutzbar sind.
Steve Bannon hat sich mehrfach explizit über zentrale Referenzen der Geek‑Culture definiert: Er bezeichnete sich selbst als Darth Vader und sprach davon, dass Trump von working class hobbits and deplorables gewählt worden sei.

Das bedeutet nicht, dass Geek-Kulturen einem bestimmten politischen Lager zuzuordnen ist. Sie bilden vielmehr einen kulturellen Referenzraum, der weit über einzelne Werke oder Franchises² hinausgeht. Es ist Geflecht aus technischen Praktiken (Coding, Gaming), ästhetischen Codes (Sci-Fi-Ästhetik, Nerd Chic, Hoodie statt Anzug) undsozialen Formationen (Fan-Communities, Conventions).
Dass Science Fiction, ebenso wie VR-Welten auf Begeisterung stossen ist naheliegend. Auffallend ist dagegen der ausgeprägten Bezug zu Großmythologien wie Der Herr der Ringe oder Star Wars. 
Zusammengenommen entsteht daraus ein sehr spezifisches kulturelles Kapital, das Sinn, Identität und Legitimation stiftet. Dass Firmen wie Palantir oder Mithril Capital ihre Namen direkt aus Tolkiens Mythologie entlehnen, ist ein Ausdruck dieses Referenzraums.

Mythen und Endzeit-Theorien

AGI als technologischer Mythos. Bild: Steve Johnson unsplash +

Diese Mythen liefern nicht nur ästhetische Motive, sondern auch Erzählungen von Macht, Ordnung, Ausnahme und Sendungsbewusstsein, die in der digitalen Elite anschlussfähig sind.  Star Wars und Herr der Ringe sind beides Grosserzählungen, die im 20.Jahrhundert konstruiert wurden- bombastisch, wabernd, überwältigend, Mythen der Macht. In ihrer Art und Wirkung erinnern sie an Wagner-Opern, die im 19. und 20. Jahrhundert die politische Imagination beeinflussten.

Die Macht der Tech-Oligarchie erwächst aus der ökonomischen Aneignung von technischem Fortschritt. Aber auch aus der kulturellen Aneignung von Zukunft. Der Begriff Futures Appropriation, übersetzbar als vereinnahmte Zukünfte, markiert den Anspruch, dass Tech, vermittelt durch Digitalkonzerne,  Zukunft gestaltet, die Lösung anstehender  Probleme sichert.
Bombastische Mythen aus dem  20. Jahrhunderts, angesiedelt in der fernen Vergangenheit und der fernen Zukunft – Tolkien, Star Wars – liefern  narrative Grundmuster: Auserwählte, dunkle Mächte, technische Artefakte mit der Kraft zur  Weltveränderung, finale Schlachten.
AGI –  Artificial General Intelligence fügt dieser Reihe einen neuen Eintrag hinzu: die denkende Maschine als ultimatives Artefakt. In ihr bündeln sich frühere Technikmythen, nun verdichtet zur Erzählung vom Endpunkt kognitiver Evolution. Ob realisierbar oder nicht, ihre kulturelle Wirkung ist bereits mythisch. Die Vertiefung bleibt einem eigenen Text vorbehalten.

Neo-Philosophien, die im Silicon Valley kursieren (oft unter dem Akronym TESCREAL zusammengefasst), liefern eine scheinbar rationale Übersetzung. Mythen und Theorien operieren mit denselben Strukturen: apokalyptischer Zeitlichkeit (der Bruch steht bevor), elitäre Auserwähltheit (wir sind die, die es verstehen), Weltveränderung durch Technologie (nicht durch demokratische Politik), Entwertung der Gegenwart zugunsten eines transzendenten Ziels.

Eine Gegenüberstellung der Neo-Philosophien, wie sie u.a. als Akzelerationismus (Geschichte als unaufhaltsamer Zwangslauf in Richtung technologischer Eskalation),  Solutionismus (Komplexe soziale Probleme werden auf technisch lösbare Aufgaben reduziert) oder Longtermismus (Legitimation gegenwärtiger Opfer zugunsten einer fernen, höheren Zukunft) in Umlauf sind, würde den Rahmen dieses Formats sprengen. es ist ein neues, eigenes Thema.
Was sie jedoch mit den beschriebenen Mythologien verbindet, ist ein gemeinsamer Effekt: die Erzeugung von Überwältigung. Es sind Narrative von solcher Totalität, dass Widerspruch nicht als Kritik erscheint, sondern als Unverständnis.

Warum interessiert uns diese Entwickung so sehr? 

Es ist unsere Zeitgeschichte, eine Ko-Evolution von digitaler Technik, gesellschaftlicher Entwicklung und populärer Kultur. Digitaler Fortschritt prägt seit fast 50 Jahren unsere Welt in immer neuen Schüben, erweiterte Möglichkeiten, eröffnete Lebensentwürfe, verschiebt Machtverhältnisse.
Die Digitalwirtschaft des Silicon Valley wuchs zu einer der mächtigsten ökonomischen Konzentrationen der Geschichte, heute hat sie imperiale Züge mit erkennbarem  Grössenwahn.
Computer versprachen unmittelbare Partizipation, individuelle Teilhabe sowie gänzlich neue Organisationsformen jenseits jeder Machtanhäufung (Nosthoff). Entstanden sind neue Organisationsformen mit Machtanhäufung. Die Struktur ist neu – Plattformen, Algorithmen, digitale Ecosysteme. Aber nicht als  demokratische  Traummaschine, sondern als Konzentration von Macht in oligarchischen Händen.
Das heißt nicht, Zukunft oligarchischen Unternehmen zu überlassen, sondern sie zu gestalten. Technik ist kein Naturgesetz, sondern sozialer Aushandlungsprozess (vgl. Dreher). Digitale Technik ist kein externer Faktor, sondern Teil langfristiger gesellschaftlicher Prozesse. Zukunft entsteht nicht durch technologische Überwältigung, sondern durch demokratische Aushandlung und Gestaltung.

 

David Golumbia: Cyberlibertarianism: The Right-Wing Politics of Digital Technology, 481 S. (Rezension – 27.01.2025)11/2024. Anna-Verena Nosthoff: ¹Die Geburt des Tech Kapitalismus aus dem Geist der Gegenkultur. Marc Dreher: Zwischen Code und Kultur. Das Silicon Valley alsMythos und Machtmaschine,  – beide in: agora 42. Das philosophische Wirtschaftsmagazin .01/2026 – Technik. Damien Leloup : Le Pouvoir des Geeks. Comment la contre-culture est devenue une arme politique. Les Arènes 01/2025 . Jannis Brühl: Disruption. Die Ideologie der Tech-Oligarchen und das Ende der Demokratie wie wir sie kennen.  01/2026 . ¹Annekathrin Kohout: Nerds – Eine Popkulturgeschichte., München 2022. 272 S. Embracing the Outliers: How Tech Geeks Reshape Modern Business and Cultural Landscapes.
²im Kontext der Geek Culture bedeutet Franchise ein erweitertes Medienuniversum, das aus einem ursprünglichen Werk (z. B. Film, Buch oder Spiel) hervorgeht und durch Lizenzen in zahlreiche Ableitungen expandiert.
³ Nerds und Geeks sind zwei unterschiedliche Ner- und Geek-Kultur unterscheiden sich vor allem in ihrer Ausprägung von Fachwissen, Sozialverhalten und Lebensstil. Nerds gelten oft als tief in einem Nischenthema versunkene Introvertierte, während Geeks diese Leidenschaft extrovertierter und sozialer ausleben.



Fünfzehn Jahre Blog – Digitaler Wandel als Zeitgeschichte

Durchblick – Bild: unsplash +

Fünfzehn Jahre sind ein Abschnitt der Zeitgeschichte. Solange betreibe ich jetzt diesen Blog – mittlerweile sind es knapp 200 Beiträge. Startpunkt war das Netnocamp bei der IHK Köln im September 2010.
Vorausgegangen war eine mit  Dreamweaver erstellte Website,  noch im Tabellen- Layout,  einige ältere  Texte (hier zu lesen) von dort habe ich übernommen .
Blogs waren einmal ein Kernstück der neuen digitalen Öffentlichkeit, man sprach von einer Netzkultur, bevor Social Media Plattformen diese Öffentlichkeiten übernahmen. 
Blogs bedeuten aber weiterhin die Unabhängigkeit, eigene Themen zu setzen, eine Personenmarke aufzubauen. Im besten Falle ein Autorenmedium, das eigenständige Publikation mit der Möglichkeit von  Vernetzung,  Diskussion und Akquise verbindet.
Den Titel Netnographie & Digitaler Wandel hatte ich damals adhoc vergeben. Die Themen haben sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt, abhängig von der Entwicklung der digitalen Welt und den eigenen Schwerpunkten. Durch den ganzen Blog zieht sich ein differenzierter soziologischer Blick auf die mit technischen Innovationen verbundene gesellschaftliche Entwicklung der  letzten Jahrzehnte – geschrieben in  einem essayistischen Stil.

Netnographie war 2008 / 2010 ein Thema der Stunde und schien als die der neuen Digitalen Öffentlichkeit angemessene Forschungsmethode.
Popularkultur hatte sich ins Internet verlagert. Digitale Subkulturen, neue Formen von Vergemeinschaft und ihre Bedeutung für das Marktverhalten standen im Vordergrund. Das Interesse an Netnographie entwickelte sich in diesem Zusammenhang rasch. Im Handbuch der Online- Forschung (2014) konnte ich einen längeren Beitrag dazu veröffentlichen. Eine Reihe kleinerer Beispiele (so zu Vegan, Overtourismus, Fairtrade) sind im Blog dokumentiert.
Fun- Fact: eine Zeitlang wurde ich oft von Studenten zu ihrer Abschlussarbeit kontaktiert, aber nie aus der Soziologie oder verwandten Fächern, so gut wie  immer aus der BWL.
Ganz durchsetzen konnte sich Netnographie in der deutschsprachigen Forschungslandschaft nicht. Der Name weckt Erwartungen auf einfache Art Consumer Insights zu gewinnen – eine eher technische, instrumentelle Sichtweise. Die Unterscheidung zum Monitoring, heute meist Listening genannt, fällt in der Praxis oft schwer, obwohl Monitoring auf datenbasierte Sammlung abzielt und Netnographie auf kulturelle Analyse.
Netnographie entstammt der Kulturanthropologie– ethnographic fieldwork im digitalen Raum. Mit einer Verankerung in den Diskursen der Consumer Culture Theory bzw. der Cultural Studies. Im deutschsprachigen Raum fehlt dieser Kontext oft.
Netnographie fällt so etwas zwischen die Stühle: Zu weich für datengetriebene Marktforschung, zu anwendungsorientiert für reine Kulturwissenschaft, zu anthropologisch für die deutsche Soziologie.
Die Entwicklung von Netnographie verfolge ich weiter, der aktuelle Stand ist nachzulesen.

Bild: Getty Images- unsplash+ +

Digitaler Wandel  und Digitale Transformation werden oft gleichgesetzt, bezeichnen aber Unterschiedliches. Wandel ist der allgemeinere Begriff für Veränderungen, die sich im Laufe der Zeit vollziehen. Transformation hingegen meint tiefgreifende, strukturelle Umbrüche, bei denen Systeme, Institutionen und Praktiken neu gestaltet werden. Beide Begriffe markieren Leitlinien der Zeitgeschichte, in der technologischer, medialer und gesellschaftlich-kultureller Wandel eng miteinander verflochten sind.

Schübe der Digitalisierung wurden nicht erst mit dem Internet spürbar.  Bereits  Desktop- Publishing (etwa um 1990) war ein Schlüsselimpuls der digitalen Revolution im Medienbereich. Der Cyberspace, wie man damals das Internet nannte, wurde als experimenteller  Raum erlebt.
Zumindest zeitweise setzte sich das freie Internet der offenen Standards gegenüber einem Internet der Konzerne (damals das Netz der Portale) durch. Es blieb prägend für eine Kultur der Digitalität, in der sich die  Vorstellung eines gemeinsamen, dezentralen gesellschaftlichen Projektes herausbildete.  Das Web 2.0 war mit einer basisdemokratischen Aufbruchsstimmung verbunden, auf die bis heute immer wieder bezug genommen wird.

Seitdem haben eine ganze Reihe technischer Innovationen die digitale Entwicklung angetrieben, Das mobile Internet veränderte die Alltagskommunikation massiv, und ist heute kaum noch wegzudenken. Social Media kanalisierte die online- Kommunikation, machte  sie auslesbar.
Das Metaverse (2021/22) wurde v.a. von Konzernen angetrieben, fand aber letztlich in dieser Form keine ausreichende Resonanz. Der Entwurf eines räumlichen Internet setzt sich aber im Spatial Computíng fort. KI ist seit dem Start von ChatGPT Ende 2022 ein dominierendes Thema –  mit  noch nicht überschaubaren Wirkungen und Folgeerscheinungen.

Die Pandemie 2020/ 21  bedeutete einen grossen Einschnitt.  Unter welchen Bedingungen konnten sich digitale Medien mehr bewähren, als unter denen einer physischen Kontaktsperre? Ohne digitale Medien, wie Videochats, Live- Streaming etc. hätte sich kaum eine öffentliche Sphäre aufrecht erhalten lassen. Der kurzlebige Hype um Clubhouse im Corona- Winter 2021 verdeutlichte um so mehr eine Sehnsucht nach Austausch und Vernetzung, gerade in medienaffinen Branchen.

Der wahrscheinlich entscheidendste Einschnitt der letzten 15 Jahre war aber nicht Corona, auch nicht KI und sicher nicht das Metaverse, sondern die Landnahme der Plattformen, (sehr gut beschrieben von Michael Seemann in  Die Macht der Plattformen).  Sie bedeutete den Wechsel von einer offenen, dezentralen Innovationslogik (bottom-up) hin zu einer stärker kontrollierten, durchplanten und von wenigen zentralen Akteuren dominierten Struktur (top-down).
Es entstand ein – eingeschränkt – globaler Informationsraum mit zentraler Infrastruktur. Plattformen agieren darin als Intermediäre – sie vermitteln zwischen Nutzern und Anbietern und regulieren Zugang, Sichtbarkeit und Interaktion. Diesen Intermediären – den Big Tech-Giganten ebenso wie zunehmend den großen KI-Systemen – kommt faktisch eine Ordnungsmacht zu. Entscheidend ist die umfassende Erhebung, Auswertung und algorithmische Verarbeitung aller verfügbaren Daten.

Der Wandel bedeutet nicht den Übergang in einen neuen, stabilen Zustand, sondern verläuft kontinuierlich weiter – mit neuen Chancen und neuen Konfliktlinien. Wenig vorhersehbar in seinen konkreten Ausprägungen, aber in seinen gesellschaftlichen Zusammenhängen erklärbar.

Der Begriff Transformation geht zurück auf Karl Polanyis Konzept der Großen Transformation (1944) in dem  gesellschaftliche Umbrüche nicht nur als wirtschaftliche, sondern auch als politische und kulturelle Prozesse verstanden werden Diese kontinuierliche Transformation ist durch die Verzahnung technischer, kultureller und politischer Entwicklungen gekennzeichnet.  Polanyi wie auch Norbert EliasProzesssoziologie  können als fruchtbare Ansätze dienen, die sich auf aktuelle Entwicklungen übertragen lassen. Sie zeigen, wie sich in langfristigen Prozessen technologische Innovationen, ökonomische Interessen und gesellschaftliche Aushandlungsprozesse wechselseitig bedingen.

Mit der Prozesssoziologie von Norbert Elias hatte ich mich  seit dem Studium befasst, immer wieder fasziniert von dem Gedanken, sie auf laufende Entwicklungen zu beziehen. Neben die bei Elias herausgestellten Prozesse der Sozio- und Psychogenese – der Herausbildung von Gesellschafts- und Persönlichkeitsstrukturen lässt sich Technogenese hinzufügen – die wechselseitige Prägung von Technik und Kultur. Technische Infrastruktur/ Technokultur haben heute eine ganz andere Bedeutung für die gesellschaftliche Binnenstruktur als noch vor wenigen Jahrzehnten.
Diese Prozesshaftigkeit – nicht die Wirkung einzelner Technologien, sondern ihre gesellschaftliche Einbettung – ist das eigentliche Über- Thema dieses Blogs. 

Die Relevanz soziologischer Theorien für das Verständnis der digitalen  Gegenwart habe ich in einem (verlinkten) Beitrag zusammengestellt. Darunter  auch  solche, die sich auf die Luhmannsche Systemtheorie beziehen, sowie die  Arbeiten von Andreas Reckwitz. Hinzuzufügen wäre noch die Bedeutung von Michel Maffesoli für das Konzept der Online- Tribes

Im letzten Jahr dominierten zwei Themen: KI/ AI und  die politischen Verwerfungen seit November 2024. Bei letzteren verweise ich auf meine Rezension zum Cyberlibertarismus und den  ausführlichen Text Tech- Faschismus – Ein Mash-Up als Machtsystem.

KI ist  seit knapp 3 Jahren ein geradezu epochales Thema. KI wird in der Breite genutzt, wahrscheinlich von vielen mehr, als offen zugegeben wird. Gleichzeitig ist sie ein boomendes Feld der Beratungs- und Fortbildungswirtschaft, steht aber auch in der Kritik als Piraterie des Wissens, Vermüllung des Internet und als Instrument neo- autoritativer Herrschaft. Im Unterschied zum Internet, das sich, zumindest zeitweise, bottom- up verbreitete, ging KI  von vornherein von einzelnen, grossen Konzernen aus. Die Perspektive der Anwender und Betroffenen – eine Sicht von unten– findet in der Debatte wenig Raum.
Das Buch von Frank Witt vermittelte mir mit dem markanten Bild der Sozialisation von Maschinen eine neue Sichtweise auf KI.  Mit dem Autor konnten wir kürzlich eine Buchvorstellung im Kölner Startplatz veranstalten, an die sich möglicherweise eine weitere Zusammenarbeit anschließen kann.

In meiner eigenen Arbeit habe ich zwei Begriffe zugespitzt:  Automatisierte Singularisierung soll die Paradoxie fassen, wie KI-Systeme massenhaft die gewünschten Einmaligkeiten produzieren – angelehnt an die Theorie der Gesellschaft der Singularitäten von Andreas Reckwitz. Gemeint ist die gezielte Erzeugung individueller Produkte und Erlebnisse auf Basis von Verhaltensdaten und Präferenzen. In eine ähnliche Richtung geht die derzeit viel diskutierte Erzeugung synthetischer Daten in der Marktforschung.
Der Begriff Consociality/ dt. Consozialität  stammt nicht von mir, aber ich habe ihn gern aufgegriffen. Gemeint ist etwas, was es schon immer gab, aber erst in der digitalen Sozialität  zentrale Bedeutung erlangt: Die Verbindung einzelner Menschen über punktuelle Übereinstimmungen und Interessen – situative digitale Ko-Präsenz jenseits stabiler Gemeinschaften. Ein Kollege nannte es  scherzhaft #Hashtag Soziologie, als ich das Konzept damit erläuterte. 

Soziologie löst keine Probleme, legt aber Zusammenhänge offen und macht so gesellschaftliche und zeitgeschichtliche Entwicklungen erklärbar.
Genau darin liegt ihr Nutzen: Entwicklungen der Zeitgeschichte erklärbar zu machen, Aha-Erlebnisse zu erzeugen und zum Weiterdenken anzuregen – nicht durch Vereinfachungen, sondern durch begriffliche Schärfung. Gefreut hat mich, dass 2x Beiträge aus dem Blog den Weg in Schulbücher fanden – nicht für Sozialwissenschaften, sondern für Deutsch in der Oberstufe – eine Anerkennung der sprachlichen Qualität.

Die selbstverständliche Nutzung von Blogs zur Diskussion hat nachgelassen. Sie ist längst abgewandert in Social Media, v.a. zu LinkedIn. Deshalb hier mein Account: https://www.linkedin.com/in/kjanowitz/
Der Titel Netnographie & Digitaler Wandel war anfangs eine pragmatische Benennung – ob er bleibt oder sich ändert, hängt davon ab, welcher Begriff künftig am besten  trifft.



Automatisierte Singularisierung – KI und die Herstellung von Einmaligkeit

Singularität:In der Soziologie eine kulturell entstandene Einmaligkeit   – Technologisch ein hypothetischer Punkt, an dem KI die menschliche Intelligenz übertrifft und sich selbst verbessert – bishin zu einem “Point of no Return” Bild: Midjourney

Singularisierung ist ein Konzept aus der Soziologie, das mit Andreas Reckwitz und seinem (Haupt-) werk Die Gesellschaft der Singularitäten  (2017) verbreitet wurde. Vorweg: Der soziologische Begriff Singularität unterscheidet sich von dem in der KI – Technologie – (s.u. und vgl. die Bildunterschrift re.).

Singularisierung als Gesellschaftslogik der Spätmoderne

Reckwitz beschrieb die Transformation moderner Gesellschaften von der industriellen Moderne zur  Spätmoderne.
Er spricht von einem kulturellen Kapitalismus, in dem sich eine Öffnung der Lebensformen mit wachsender Bedeutung symbolischer Güter und individueller Selbstentwürfe verbindet.
Historischer Rahmen ist der Wandel der von Massenproduktion geprägten industriellen Gesellschaft zur postindustriellen Ökonomie, in der sich nicht nur die Arbeitswelt transformiert.
Märkte differenzieren sich zunehmend entlang von Lebensstilen, Geschmack,  kulturellen Präferenzen und den entsprechenden Zielgruppen.
Insbesondere in den innovationsgetriebenen Branchen (Wissens- u. Kulturökonomie, Digitales) treten Projektstrukturen und Netzwerke an die Stelle der hierarchisch- arbeitsteiligen Matrix.
Die Technik und die Organisation der Industriegesellschaft wirken standardisierend, die digitale Technologie der Spätmoderne singularisierend.

Massenproduktion, Vereinheitlichung, Normierung, das Streben nach Effizienz bestimmt die Logik der Standardisierung in der Industriegesellschaft.  Individuelle Präferenzen werden an das verfügbare Angebot angepasst, nicht umgekehrt. Auf individueller Ebene gilt Anpassungsdruck mit entsprechenden Verhaltenserwartungen.

In der Logik der Singularisierung werden Einzigartigkeit, Authentizität und individuelle Bedeutung zu zentralen Werten. Aber erst die Digitalisierung schafft die technischen Voraussetzungen für ihre massenhafte Verbreitung – dazu im weiteren mehr. Produkte, Erlebnisse und Identitäten werden mit symbolischer Bedeutung aufgeladen und in Narrative eingebunden – Storytelling wird etwa zum typischen Marketing-Element.
Diese Logik wirkt auf vielen gesellschaftlichen Ebenen: Sie zeigt sich im individualisierten Konsum- und Reiseverhalten, aber auch im Wandel sozialer Strukturen, wie sie sich z.B. im langsamen Verschwinden klassischer Milieus, bis hin zu dem der Bürgerlichen Mitte Reckwitz bezieht sich dabei immer wieder auf die Sinus- Milieus.
Ein anderes, einfaches Beispiel sind ehemals kollektive Medienerlebnisse, nicht nur Fussball WM und Mondlandungen, auch Serien und TV- Shows waren in vergangenen Jahrzehnten oft Strassenfeger, die einen Grossteil der Gesellschaft an einem, oft so genannten Lagerfeuer vereinten.
Heute kommen solche kollektiven Gemeinschaftserlebnisse evtl. noch bei grossen Fussballmatches vor. Medienöffentlichkeiten sind ansonsten
weitgehend fragmentiert. Verbindende Momente finden sich eher in spezifischen, meist wenig beständigen Interessensgruppen (vgl. Tribes).

Serielle Singularitäten: Ein neues Spannungsfeld zwischen Masse und Einmaligkeit

Reckwitz’ Gesellschaftsanalyse, ihre längerfristige Gültigkeit und Anschlussfähigkeit an andere Theorien soll jetzt nicht weiter vertieft werden (vgl. dazu die Verweise unten). Es geht um das Konzept der Singularitäten und die Wirksamkeit ihrer Logik in den Zeiten von KI. Wie entsteht Einmaligkeit unter diesen Voraussetzungen, wie wird sie erlebt, wie wird sie hergestellt und wie wirkt sie?
Der Begriff Serielle Singularitäten benennt diese Spannung zwischen Masse und Einzigartigkeit  präzise. Reckwitz erwähnt ihn zwar kurz (S. 135 – tatsächlich im Zusammenhang mit Serien wie Downton Abbey oder Breaking Bad),– führt ihn aber nicht weiter aus. In einem Podcast von 2021 Digitalisierung und Singularisierung thematisiert er den Zusammenhang,  seither hat sich das Phänomen jedoch erheblich ausdifferenziert – und es stellt sich die Frage, ob KI-basierte Systeme neue Formen automatisierter Einmaligkeit erzeugen.

Von der Anpassung zur Gestaltung: Wie Daten Einmaligkeit generieren

Singularisierung kann sich auf Dinge/ Produkte, Prozesse und Personen, auch auf Erlebnisse beziehen. Entscheidend ist das Erlebnis der Einmaligkeit (**vgl. die Definition unten).
Singularität in ihrer traditionellen Form bleibt allerdings personalintensiv und damit teuer – sei es als handwerklich erzeugtes Unikat, in Form individuell zugeschnittener Beratungsleistungen etc.  Sie ist nur begrenzt verfügbar und wird oft als besonderes Privileg wahrgenommen.
Singularitäten sind nicht zwangsläufig mit Status verbunden. Vielmehr geht es um die symbolische Aufladung von Objekten oder Prozessen – die Valorisierung in den Augen des Einzelnen und seiner sozialen Umgebung. Nach Bourdieu gesehen, zeigt sich so die Dimension des kulturellen Kapitals –das nicht mit Statusgütern identisch ist, sich aber mit ihnen überschneiden kann.
Anschauliche Beispiele für ein Revival handwerklich erzeugter singulärer Produkte finden sich als Craft Beer- Brauereien,  Kaffeeröstereien, Bäckereien, die sich auf wenige ausgewählte Produkte beschränken etc. –  manchmal werden sie als einer Hipster Kultur zugehörig zusammengefasst.
Singularisierung zeigt sich nicht nur in diesen Nischenmärkten sondern auch in der Differenzierung von Massenprodukten.

Automatisierte Singularisierung koppelt die soziologische Gesellschaftsdiagnose mit den technischen Möglichkeiten der digitalen bzw. der KI- Ära. Erst Digitalisierung bietet die technischen Voraussetzungen für die massenhafte Verbreitung der Singularisierungslogik – ohne die digitale Vermessung der Welt ist sie nicht denkbar.
Digitalisierung macht das Einzigartige messbar und verwertbar. Die Einmaligkeiten/ Besonderheiten  einzelner Menschen werden adressierbar. Aus jeder individuellen Präferenz, aus jedem besondere Verhalten werden Daten generiert, die wiederum neue Formen von Singularisierung ermöglichen. Der digitale Fußabdruck wird selbst zum Marker der Einzigartigkeit.
In der digitalen Ökonomie wird Singularisierung zur Geschäftsgrundlage: Daten über individuelle Präferenzen ermöglichen zielgerichtete Werbung und die Vermarktung einzigartiger Erlebnisse. Digitalisierung macht Singularisierung skalierbar und eröffnet neue Geschäftsfelder – genauso ermöglicht sie neue Gestaltungen.  Die Weiterentwicklung ist eine politische Frage.

KI als Generator singulärer Interaktionen

Während die bislang vorherrschenden Plattformen hauptsächlich auf gesammelte Daten reagieren, schaffen KI-gestützte Tools hochgradig personalisierte Erlebnisse durch Datenanalyse und das Lernen aus  Nutzerverhalten. KI kann Präferenzen antizipieren, bevor diese bewusst geäußert werden – ein standardisiertes System, das auf Millionen von Parametern basiert.

KI-Systeme haben sich das Wissen der Welt einverleibt. Bild: unsplash unlimited-  Gustavo Reyes

Nirgends kommt man dem Konzept der automatisierten Singularisierung näher, als in einem Chat- oder Gesprächsverlauf mit KI. Jede Antwort entsteht neu, basierend auf einem spezifischen Input: die Nuancen der Fragen, die Denkweise des Nutzers – all das fließt in die Antworten ein und schafft eine individuell zugeschnittene, singuläre Interaktion.

In der Aufmerksamkeitsökonomie  treten Singularitäten miteinander in den Wettbewerb.  Es kommt darauf an, jedem Nutzer das Gefühl zu geben, besonders adressiert zu werden.  KI-basierte Anwendungen ermöglichen es, spezifische Prozesse zu automatisieren, indem sie individuell angepasste Lösungen bieten, die gezielt auf die Präferenzen und Verhaltensmuster der Nutzer eingehen. So entsteht die Wahrnehmung einer  einzigartigen Ansprache – eine Verstärkung der Singularisierungslogik durch die technischen Möglichkeiten der Digitalisierung. Social Media Plattformen werden zu Bühnen  des Personal Brandings und des Storytelling.

Lange Zeit war Digitalisierung in den Zukunftsdebatten eindeutig positiv besetzt. Die Vorstellung, dass Technologie und ihre Gestaltung das Leben verbessert und alle Menschen daran gleichberechtigt teilhaben können, dominierte die Diskussion.

Heute  überwiegt ein skeptischerer Blick. Das hat sicherlich mit Machtballungen – Stichwort BigTech – und den politischen Verwerfungen v. a. des letzten Jahres zu tun. Es sind aber zwei Verhalte: Die technisch/ gesellschaftlichen Möglichkeiten und ihre Aneignung.
Automatisierte Singularisierung ist kein neutraler technischer Prozess, sondern ein politisch umkämpftes Feld. Die Frage ist nicht, ob sie stattfindet, sondern wer sie kontrolliert und zu welchen Zwecken sie eingesetzt wird. Das macht die gesellschaftspolitische Dimension des Konzepts deutlich.

Automatisierte Singularisierung oder Singularisierte Automatisierung?

Der Begriff lässt sich drehen – und damit gelangen differenzierte Bedeutungen in den Vordergrund. In der Variante Singularisierte Automatisierung, geht es um die Anpassung bestehender Prozesse,  in denen Automatisierungsprozesse individuell und singulär gestaltet werden.  Automatisierung wird nicht mehr als Massenphänomen verstanden, sondern als eine individuell zugeschnittene, unverwechselbare Lösung.
Automatisierte Singularisierung beschreibt hingegen eine neue Qualität, in der mit technischen Systeme aktiv Singularitäten generiert werden. Diese Form der Automatisierung schafft nicht nur maßgeschneiderte Prozesse, sondern stellt die Produktion von Einmaligkeit selbst in den Mittelpunkt.

Letztlich bietet Automatisierte Singularisierung eine größere analytische Reichweite für gesellschaftliche Transformationsprozesse. Gemeint ist hier, dass das technische System aktiv Einzigartigkeit stiftet, also gesellschaftliche, kulturelle oder individuelle Besonderheit algorithmisch hervorbringt.

Zur Übersicht: Eine KI-generierte Gegenüberstellung von automatisierter Singularisierung und standardisierter Automatisierung als ihrem Gegenmodell:

Mass Customization ist keine Singularisierung

Mass Customization, ein Schlüsselkonzept der Industrie 4.0, ähnelt auf den ersten Blick der Logik der Singularisierung – bleibt jedoch auf der Produktebene und im Rahmen standardisierter Prozesse.
Bekannt ist das Prinzip etwa von Websites mit Konfiguratoren: Nutzer:innen können Produkte nach individuellen Vorlieben anpassen – etwa Regalsysteme, Küchenzeilen, Sneakers mit variabler Sohle, Schnürung und Farbgebung oder der individuelle Mix zur Haartönung. Auch passgenaue Versicherungsangebote oder modular zusammensetzbare Reisepakete folgen diesem Muster.
Im Zentrum steht die automatisierte Kombination vorgegebener Module: eine wunschgemäße Rekombination vordefinierter Bestandteile bzw. flexibler Tarifstrukturen.

VR und emotionale Echtzeit-Singularität

Singuläre Erlebnisse in VR? Bild: unsplashed+

Lässt sich das Konzept Automatisierte Singularisierung auch auf  VR- Realitäten  anwenden? Singuläre Erlebnisse müssen mehr leisten als nur das automatisierte Bereitstellen vordefinierter Inhalte oder vorstrukturierter Programme. VR kann über die bisherige Personalisierung hinausgehen, indem es nicht nur Inhalte individualisiert, sondern ganze Erfahrungsräume. Die narrative Aufladung ist zentral: VR ermöglicht es, dass Nutzer nicht nur passive Empfänger sind, sondern aktiv Bedeutung schaffen.  Entscheidungen im virtuellen Raum werden zu persönlichen Erzählungen.
Moderne VR-Systeme können tatsächlich biometrische Daten wie Herzschlag, Augenbewegungen oder Stresslevel in Echtzeit erfassen und die virtuelle Erfahrung darauf anpassen.
Das stellt eine besonders fortgeschrittene Form der automatisierten Singularisierung dar – eine, die nicht nur Vorlieben oder Profile, sondern unmittelbare emotionale Zustände berücksichtigt. Der Nutzer kann so vom Konsumenten zum Gestalter seiner eigenen, einzigartigen Geschichte werden. Letztlich zählt auch hier am Ende das Erlebnis.

Warum der Begriff den Unterschied macht

Automatisierte Singularisierung öffnet als Begriff neue und kompakte Einsichten.  Er verbindet soziologische Gesellschaftsanalyse mit aktuellen Diskursen zu Technologie  und KI.  Er macht komplexe gesellschaftliche Transformationen in einem Konzept greifbar. Statt vage von Individualisierung oder Personalisierung zu sprechen, präzisiert er den spezifisch technologischen Charakter der Entstehung von Singularität. Automatisiert macht den Unterschied zu früheren Formen der Individualisierung deutlich.

Aus dem Begriff Singularisierung und dem Rückbezug auf Reckwitz entstand die Idee zu diesem Text; den Anstoß gab seine Formulierung von den seriellen Singularitäten sowie die Beobachtung der Nachfrage nach singulären Produkten und ihrer Herstellung

 

Rezensionen zu Reckwitz: Die Gesellschaft der Singularitäten (2017), Das Ende der Illusionen (2019)  und Soziologie im Duett – Reckwitz & Rosa: Spätmoderne in der Krise. Was leistet die Gesellschaftstheorie? – Eine Kurzfassung der Gesellschaft der Singularitäten ist im  Journal für politische Bildung 1/2019 nachzulesen.
**Singularisierung kann sich auf Dinge, Prozesse und Personen beziehen, die nicht mehr nicht mehr als austauschbare Exemplare einer Kategorie behandelt werden, sondern als einzigartige Entitäten, die innerhalb sozialer Praktiken als besonders wahrgenommen und bewertet werden. (vgl. Reckwitz, 2017)
Nils Kumkar und Uwe Schimank: Eine Auseinandersetzung mit Andreas Reckwitz’ Diagnose der »Spätmoderne«
Diagnose der »Spätmoderne« Leviathan, 49. Jg., S. 7-32, 2021 und Researchgate.



Digitale Renaissance, Digitale Diktatur, oder was?

Blick durch ein Freiheitsfenster? Bild: unplash.com unlimited

Die Zeiten, in denen digitaler Fortschritt mit gesellschaftlichem Fortschritt gleichgesetzt wurde, sind passé.
Es gab die Zeit, in der digitale Techniken ein Freiheitsfenster öffneten: Demokratisierung des Wissens, neue Möglichkeiten von Kreativität und Kreation, Freiheiten der Publikation, die Bildung von Netzwerken und neuen Gemeinschaften.
Digitale Techniken und neu entstehende digitale Öffentlichkeiten unterliefen die Kontrollgewalt von Gatekeepern und brachen das bestehende Mediensystem auf.

In gewisser Weise bestehen die Freiheiten weiter, sind aber durch ein neues Machtsystem überdacht. Im digitalen Kapitalismus wird der mediale Raum durch Algorithmen kontrolliert. Ein Thema, das in den Diskussionen der letzten Jahre, auch in diesem Blog, im Vordergrund stand. Stichworte sind die Macht der Plattformen, Landnahme, Überwachungskapitalismus und in den letzten zwei Jahren Digitale Oligarchie.

Renaissance meint die Wiedergeburt alter Ideen in einem neuen Kontext  und steht für eine Zeit künstlerischer Innovationen und kultureller Blüte. Historisch sind Renaissance und Humanismus eng miteinander verbunden. Metaphorisch wurde die Bezeichnung von der italienischen Renaissance des 15. und 16.Jh. immer wieder auf andere Epochen übertragen – vom imperialen Rückgriff der  karolingischen Renaissance Karls des Großen bis zur Harlem Renaissance afroamerikanischer Kultur in den 1920er Jahren.

Digitale Renaissance tauchte als Begriff bereits in den 90er Jahren auf und ist seitdem mit dem Autor Douglas Rushkoff verbunden. Rushkoff nutzt und prägt seitdem den Begriff Digitale Renaissance als Leitmetapher für die kreative, partizipative und transformative Kraft digitaler Technologien. Seine Deutung ist bis heute zentral für die Verwendung des Begriffs im Kontext der digitalen Kultur.
Nach Rushkoff war die digitale Revolution nur scheinbar disruptiv – sie ersetzte lediglich die alte Elite durch eine neue crew of mostly male, white, libertarian technologists. Die Regeln von Startups und Venture Capital blieben weitgehend dieselben wie zuvor und unterstützten die gleichen Ungleichheiten und deren kulturellen Werte.
Digitale Renaissance bedeutet für Rushkoff die kreative Wiederbelebung menschlichen Potentials in einer vernetzten Welt. Menschen sollen durch Technologie ermächtigt, nicht kontrolliert werden. Seine Einsichten sind in den Essays The Digital Renaissance (2002) und Renaissance Now (2017/2021) übersichtlich zusammengefasst.

Die Matrix zu Systemstabilität und – disruption (Felser und Wagner, 2025) – volle Auflösung nach Klick

Marc Wagner und Winfried Felser haben den Begriff der Digitalen Renaissance kürzlich in einem  (LinkedIn) Beitrag mit dem überlangen Titel Digitale Renaissance oder “Digitale Diktatur und “Digitale Anarchie” – die Zukunft hängt von unserem Bild vom Menschsein in Zeiten der KI ab!  aufgegriffen. Rushkoff wird zwar nicht erwähnt, die Begriffsverwendungen lassen sich aber vereinbaren. Erklärte Absicht ist es, nicht von der Technologie auszugehen, sondern umgekehrt vom neu gedachten Zielbild, die Autoren nennen es ein neues Menschsein in Zeiten der KI.

Was den Text interessant macht, ist seine Eignung als Basis für weiterführende Diskussionen und Gedankenspiele. In der Matrix mit den Achsen System-Stabilität vs. System-Disruption und Technologische Dominanz vs. Menschlich-kooperative Balance werden vier 4 Zukunfts- Szenarien sichtbar. Es sind Denkmodelle, die man in der Reinform nicht für realistisch halten muss.

Die verwendeten Begriffe gehen auf mehrere Quellen zurück, so Homo Deus auf das gleichnamige Buch von Yuval Harari (2015), ein technikverstärkter optimierter Menschentypus, der überflüssig gewordene  Homo Obsoletus geht auf den norwegischen Autor Anders Indset zurück. Der Homo Eco Economicus/ Transformans ist der bewusst gestaltende ökonomisch denkende Akteur. Capokratie, angelehnt an die Capos der Mafia, eine Demokratie im Abstieg, Ecokratie im Wieder- Aufstieg.

Eine digitale Diktatur würde sich in vielem von den ideologischen Diktaturen des 20. Jahrhunderts unterscheiden. Der neue Autoritarismus kommt ohne Ideologie aus, aber mit imperialem Anspruch. Machtbasis wäre in erster Linie die Kontrolle der digitalen Infrastruktur, damit über Kommunikation, Handel, Arbeit, Gesundheitswesen und grundlegende Dienstleistungen, sogar soziale Kontakte. Daten und KI werden zur neuen Governance, obsolete Menschen zu Datenschatten. Digitale Diktatur breitet sich aus in einer schleichenden Machtergreifung durch eine Oligarchie, langsam, mit einer Erosion demokratischer Normen.

Ein origineller Gedanke ist der des Homo Furens, des wütenden Menschen.  Sinnverlust und Systemverachtung sind die Antriebskräfte. Dieser Homo Furens ist nicht nur der Abgehängte, sondern oft der Hochgebildete, nicht nur der Abseitige, sondern eben auch der scheinbar Integrierte (Felser).  Radikalisiert und technologisch ermächtigt stellt er eine Gefahr dar, mit ideologischem und physischem Terror. 

Der Text steht nicht allein, sondern in einer Serie von Beiträgen derselben Autoren, die sich von einer betriebswirtschaftlichen Optimierung (Fokus auf den Wirtschaftsstandort) hin zu einer gesellschaftlichen Systembetrachtung (Matrix mit Gesellschaftsbildern) bewegen. Rushkoff und sein Konzept der Digitalen Renaissance werden nirgends erwähnt (unbekannt?), obgleich sich die Texte zum Ende hin diesem Konzept nähern.

Der erste der Reihe  (01/25) der den Titel Digitale Renaissance verwendet bezieht sich auf Darron Acemoglu mit seinen beiden Werken Why nations fall/ Warum Nationen scheitern und Power and Progress. Im ersteren geht es um den Erfolg oder Misserfolg von Nationen im historischen Wandel, der zweite Titel räumt mit der Vorstellung Technology-equals-progress (vgl. Rez.) auf. Acemoglu, Wirtschafts- Nobelpreisträger 2024, hatte den Gedanken, dass technischer  Fortschritt nicht zugleich gesellschaftlichen  Fortschritt bedeutet, auch in der Wirtschaftspresse verbreitet.
Der erste Text knüpft an ein Deutschland als führender Industrienation und Land des Wirtschaftswunders an. Das Narrativ des
Deutschland, in dem alles funktioniert – in dem die Gesellschaft der Wirtschaft folgt, wird so wachgerufen. Kulturelle und gesellschaftliche Dimensionen werden zwar angesprochen, sie dienen aber dem Zweck einer Company Renaissance.
So bleibt dieser Text Unternehmensberaterprosa.
Im Ernst: Wäre ein kultureller Rückbezug auf die Zeit des Wirtschaftswunders attraktiv? Es wäre nicht Renaissance, sondern Restauration. Wirtschaftswachstum ja – aber mit einer patriarchalen  Gesellschaftsstruktur: autoritär, mit nur formellen Frauenrechten, homophob, voller Altnazis in Führungspositionen.

Nimmt man den Begriff Digitale Renaissance ernst, ist eine kulturelle und intellektuelle Umwälzung damit verbunden. Eine echte Digitale Renaissance bedeutet eine kulturelle Transformation, nicht technische Effizienzsteigerung. Alte und neue Ideen sollten sich so verbinden, dass Menschen mit den neuen technischen Möglichkeiten zu aktiven Gestaltern und Autoren ihrer kulturellen Umgebung werden, nicht nur zu Nutzern oder Zielgruppen. Es geht um Teilhabe, demokratische Gestaltung, kreative Selbstermächtigung und kulturellen Pluralismus.

Die entscheidende Frage ist heute nicht, was Technologie kann, sondern wie wir sie nutzen. Felser & Wagner nennen es schließlich – etwas pathetischwas Menschsein in Zeiten der KI heißen soll. Rushkoff hatte seit den 90ern das Konzept einer Digitalen Renaissance geprägt. Dahinter steht der Gedanke, das kreative, partizipative und transformative Potential digitaler Technologien als Grundlage auch des wirtschaftlichen Handelns zu sehen. Der Gedanke ist grundsätzlich naheliegend und tritt in solchen oder anderen Bezeichnungen vielfach hervor.

Technischer Fortschritt hatte lange Zeit gesellschaftliche Entwicklung angetrieben, zumindest weitgehend unsere Handlungsspielräume erweitert. Mittlerweile sind auch digitale Diktaturen vorstellbar, nicht nur als SF- Dystopie. Digitale Oligarchien gibt es bereits.  In einer beschleunigten Welt mit mächtiger KI, ökologischen Kipppunkten und gesellschaftlichen Brüchen brauchen wir tragfähige Bilder vom Menschsein mit Individualität und Gemeinsinn, auch als Gegenentwürfe zu einer Verbindung von technischer Innovation und restaurativem Denken.

Die aktuellen gesellschaftlichen und zunehmend auch politischen Verwerfungen folgen den Digitalisierungswellen der 2010er Jahre: Digitaler Plattformkapitalismus, Smartphone-Durchdringung, algorithmische Medien.
KI steht noch in einer frühen Phase – gesellschaftliche, kulturelle und politische Wirkungen sind noch begrenzt. Machtverschiebungen und die  Möglichkeit KI- basierter Formen politischer Kontrolle und Manipulation lassen sich bereits abschätzen.
Erkennbar sind vorerst z.B. Arbeitsplatzveränderungen in Wissensdienstleistungen, aber auch das breite Ausloten der kreativen Nutzung. Es geht um Interaktion statt Automation. Die entscheidende Frage lautet: Welche Art von digitaler Zivilisation entwickeln wir?

Douglas Rushkoff: The Digital Renaissance 29.03.02  – Renaissance Now! 5 .08. 2017 The Model Isn’t the Territory, Either Digital complexity doesn’t mean it’s reality. Darren Acemoglu: Power and Progress, Winfried Felser & Marc Wagner:Digitale Renaissance” oder “Digitale Diktatur” und “Digitale Anarchie“. – The Digital Renaissance: How Companies Can Become Future-Ready Through New AI and Company Rebuilding. Drucker-Forum 



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