Hypes: Metaverse – Web3 – ChatGPT – Vom Zweiten zum Dritten Netz?

Metaverse, Web3, Chat GPT Hypes darüber, was unsere digitale Zukunft sein soll, reihen sich aneinander.
Die Hypes zu Metaverse und Web3  sind  mittlerweile abgeflacht bzw. entzaubert. Beide wurden immer wieder als neue Stufen der digitalen  Evolution genannt, successor states des Internet, wie wir es kennen.

Metaverse ist mehr als immersive Technik. Graphik: Thomas Riedel

Hypes sind zumeist mit Narrativen einer zu erwartenden Zukunft verbunden.
Metaverse knüpft an aus Science Fiction bekannte Visionen einer virtuellen, aber doch sinnlich erlebbaren Welt.
Das Metaverse ist mehr als Was mit VR- Brillen. Definitionen gibt es eine Reihe, entscheidend ist eine Infrastruktur, die Nutzer bruchlos zwischen einzelnen, durch Daten erzeugte Realitätserfahrungen wechseln und sie erleben lässt. Umgebungen, in der solche – sozialen und sinnlichen – Erfahrungen möglich sind, wären tatsächlich etwas, that will revolutionize everything.
All die Fragen nach dem Wandel von Öffentlichkeit, von Vergemeinschaftung, nach einem gesellschaftlichen Common Meeting Ground, aber auch nach der Marktteilnahme und den Möglichkeiten des E- Commerce stellen sich dann erneut. Nicht miteinander verbundene, in sich geschlossene virtuelle Welten sind kein Metaverse, es sind einzelne immersive Erfahrungen, gated experiences,  die aber keine neue Infrastruktur des Internet mit sich bringen. Abgeflacht ist v.a. der von  Meta/ Ex- Facebook angefachte Hype.

Web3 galt lange Zeit als selbsterklärter Nachfolger von Web2 – jede Entwicklungsstufe des Internet fügt demnach eine neue Funktionsebene hinzu, so folge Web3  in gerader Linie auf  Web1  und Web2, von read-only to read & write to read-write-own (vgl Graphik zur Geschichte des Web, Voshmgir) – von der Plattformökonomie zur Token- Ökonomie. Begriffe und Konzepte wie Blockchain, NFTs, DAOs, Smart Contracts und Kryptowährungen sind mit Web3 verbunden. Kernstück ist die Blockchain, die dezentral angelegte, von den Nutzern gemeinsam genutzte und betriebene Datenbank.
Die Financial Times beschrieb Web3 als Bewegung, die auf dem Gedanken basiert, dass die Blockchain-Technologie, die die Krypto-Vermögenswerte aufzeichnet und verfolgt, eine neue Generation von nutzergesteuerten Online-Diensten unterstützt, die die heutigen Internet-Giganten entthronen werden (FT, 7/22).
Die ‘Bewegung Web3′ vereint dabei eine eher unübersichtliche Gemengelage von Interessen und Motivationen. Nach aussen geht es um Dezentralität, um  Datenaustausch ohne Intermediäre. Allerdings nicht um eine evolutionäre Weiterentwicklung, sondern um eine aktiv von versch. Netzwerken gestaltete Vision, etwa wie eine Landkarte, die ihr eigenes Territorium absteckt (vgl. Sadowski & Beegle, 2023). 
Die Bandbreite dieser Szene ist breit. von den  Künstlern, die in NFTs die Möglichkeit von Einkünften sehen, bis zu cyberlibertären Kreisen und einem Anarchokapitalismus in einem tendenziell staats- und politikfreien Raum. 
Selten habe ich eine so vernichtende Kritik, wie die von J. Geuter / @tante an Web3 gelesen: ein moralisch abgrundtief widerliches Projekt;  in der heutigen Form fundamental kaputt (Das Dritte Web) Ein Casino der Zocker.   Dagegen steht die Eigendarstellung: “Our passion is delivering Web 3.0, a decentralized and fair internet where users control their own data, identity and destiny.”
Sadowski & Beegle legen in ihrer Web3 Analyse (3/2023, s.u.) nahe, Web3 als eine Fallstudie zu den Innovationen innerhalb des dominierenden Modells von Venture Kapitalismus im Silicon Valley zu sehen.

Der dritte Hype – Chat GPT – ist noch ungebrochen. Zuerst mit der kostenlosen  Version 3, seit dem 16.03. mit der leistungsfähigeren Version 4.  Im Unterschied zu Metaverse und Web3 geht es nicht um eine komplette Infrastruktur, sondern um den weitflächigen Einstieg in eine Technologie. Artificial Intelligence/ Künstliche Intelligenz  wird schon lange diskutiert, und jetzt steht sie öffentlich – zumindest in der Version 3 – kostenlos zur Verfügung.
Chat GPT und seine schnell nachgefolgten Konkurrenten (Bard)  sind Werkzeuge des maschinellen Lernens, die in riesigen Datenmengen nach Mustern suchen und statistisch wahrscheinliche Ergebnisse erzeugen. Wirklich nutzbar wird es mit Prompt Engineering,  der Technik, die eigenen Anweisungen so zu formulieren, dass sie vom System am besten verstanden werden  – und somit Ergebnisse erbringen, die den Erwartungen am nächsten kommen – bzw. sie übertreffen.

Chat GPT auf die Frage, welche 30 Berufe durch künstliche Intelligenz ersetzt werden. v. Marco Petracca (erscheint auf Klick in voller Auflösung)

AI/ KI kann eine grosse Reihe von Tätigkeiten  automatisieren (s. Graphik re.). Inwieweit damit Berufe verschwinden – oder ob KI von bestimmten Arbeitsgängen entlastet,  ist eine jeweils eigene Frage. Unternehmen werden oftmals den Rationalisierungsgewinn für sich beanspruchen und einbehalten. Meist gilt:  je höher der Status desto besser die Chancen.
Kritik bzw. relativierende Beschreibung richtet sich v.a. auf das Datenmaterial, die Vorstellung von Intelligenz. Noam Chomsky konstatiert in dem viel beachteten Guest Essay The False Promise of Chat GPT  in der New York Times (8.03.23)  High-Tech Plagiarism – in der wir unsere Wissenschaft und Ethik herabstufen, indem sie in unsere Technologie eine fundamental falsche Konzeption von Sprache und Wissen einfließen lässt.
James Bridle benennt im Guardian (16.03)  eine Aneignung bestehender Kultur in einem Umfang kaum begrenzten Ausmasses durch Techunternehmen (16.03).
Weitere Kritik kommt von Ted Chiang im  New Yorker als ChatGPT is a blurry jpg of the web + dem Untertitel Der Chatbot von OpenAI bietet Paraphrasen, während Google Zitate anbietet. Was ist uns lieber? schrieb The New Yorker  Wie bei jpg und mp3 gehen Informationen bei der Datenkompressionen verloren, oft genug werden Artefakte erstellt.
Mir fällt eine Parallele ein:  Wäre ChatGPT somit für die Wissensgesellschaft das, was mp3 für die Musikkultur ist?

Der Output von ChatGPT ähnelt Stilvorlagen, entspricht oft bekannten Mustern, einem Mainstream des Internet – aber was wäre anders zu erwarten?

Hypes werden inszeniert, von Investoren angetrieben.  Gemeinsam ist allen drei Hypes, dass sie eine ganz bestimmte Zukunft als zwangsläufig inszenieren:  futures appropriation – vereinnahmte Zukünfte – zumeist nach einem von Investoren vorgezeichneten Modell.  Ergreift man diese Zukunft nicht, gerät man ins Hintertreffen. Ebenfalls gemeinsam ist ihnen ein  Energieverbrauch in noch unbestimmter Grössenordnung – das muss in Zeiten der Klimakrise vermittelbar sein. Virtuelle Welten, Blockchain und der Chatbot verbrennen viel beim Umschlag von Datenmengen …
Der Hype ums Metaverse hat immersive Technologien vorangetrieben. Mit dem Metaverse war und ist immer auch die Formel  verbunden, dass es das Metaverse noch gar nicht gibt – das hält die Vision offen. Andere Unternehmen, wie NVidia und Epic bauen an Standards, auf denen – maybe someday – ein Metaverse BtoC  entstehen kann.
Web3
scheint in dieser Form ausgebremst –  dahinter stecken aber weiter verbreitete Muster aus Tech Industry und Venture Kapitalismus, die schon  lange existieren und weiter bestehen bleiben.
An ChatGPT werden wir uns gewöhnen – auch ziemlich schnell Texte, E- Mails und andere Ausgabeformate erkennen, die damit erstellt wurden …. und wenn es sehr gut ist, dann steckt wohl doch ein Autor dahinter …

Vor mittlerweile rund zwei Jahrzehnten war das Web 2.0., eine Nutzungsevolution,  mit einem basisdemokratischen Aufbruch verbunden. Der Wunsch nach freiem Zugang zu  Wissen, Information und Austausch darüber war ein Antrieb der Verbreitung. Jede/r sollte die Möglichkeit haben, daran teilzunehmen.  Auch das mobile Web, etwa seit der Einführung des  iPhone wurde weitflächig begrüsst – fast jeder wollte dabei sein.
Das Oligopol der digitalen Welt – im wesentlichen die GAFAM*- Unternehmen setzte sich irgendwann mit Social Media und der Plattformisierung durch (vgl. M. Seemann). Lange Zeit blieb es erstaunlich stabil, jetzt scheint es in Bewegung zu kommen, Konkurrenzen werden spürbar. Social Media zeigt Ermüdungserscheinungen (ein weiteres Thema). Das in Social Media verdiente Geld sucht Anlagemöglichkeiten – das sind die Triebfedern zum neuen (dritten?) Web. Von Enthusiasmus, wie damals, ist wenig zu spüren, eher Routinen. Doch prägen technische Infrastrukturen soziale Erfahrungswelten.

Jathan Sadowski & Kaitlin Beegle: Expansive and extractive networks of Web3. In:: Big Data & Society. January–June: 1–14, 2023 Jürgen Geuter (tante@tante.cc) : Bullshit, der (e)skaliert. Golem 16.03.23. James Bridle: The Stupidity pf AI – Artificial intelligence in its current form is based on the wholesale appropriation of existing culture, and the notion that it is actually intelligent could be actively dangerous. The Guardian 16.03.23 —  Ted Chiang: Chat GPT is a blurry jpeg of the web. The New Yorker. 9.02.23  Noam Chomsky: The False Promise of ChatGPT. New York Times 8.03.23    Natasha Lomas: Metaverse is just VR, admits Meta, as it lobbies against ‘arbitrary’ network fee . Techcrunch.com 23.03.2023. Paul Murray: Who Is Still Inside the Metaverse? Searching for friends in Mark Zuckerberg’s deserted fantasyland. Intelligencer. 15.03.23



Web3 – war es das?

Token- Economy – Monetarisierung von Inhalten und Identität

Web3 und Metaverse wurden immer wieder in einem Zuge als Zukunftstechnologien, als neue Stufen der digitalen  Evolution genannt  – ansonsten sind es zwei voneinander unabhängige Entwürfe. Sie bedingen einander nicht. Beide sind aber mit wirkmächtigen  Narrativen  verknüpft, die  ihre Popularität stütz(t)en.

Web3 ist der Dachbegriff zu Technologien, die auf der Blockchain beruhen: DAOs, NFTs, Kryptowährungen, Smart Contracts, Proof of Work etc. Die Blockchain ist die dezentrale, öffentliche Datenbank, sie macht jede Transaktion transparent und damit nachvollziehbar. Jede meint wirklich jede-  bis auf die Ebene von Postings. Transaktionen können nicht verändert werden.
Dem eigenen Narrativ des Web3 nach, geht es um Dezentralisierung, darum, wer das Internet der Zukunft kontrolliert –  versprochen wird eine Demokratisierung und die Ablösung der Dominanz der Plattformbetreiber. Im Web3 tauschen Nutzer ihre Daten über dezentralisierte, blockchain-basierte Netzwerke aus, ohne auf Dritte zurückzugreifen.
Web3 führt in eine Welt der Token-Economy, in der Blockchain-gestützte, dezentrale Anwendungen das direkte Eigentum der Nutzer und die Monetarisierung von Identität und Inhalten durch Token ermöglichen. Token ermöglichen es aktiven Teilnehmern und Urhebern, ohne zwischengeschaltete Plattformen wirtschaftlich von Webaktivitäten zu profitieren. Diese Tokens sind  fungible assets, also nicht- unterscheidbare/ austauschbare Werte wie crypto und stablecoins, oder NFT/ Nonfungible Tokens **. Protagonisten von Web3 argumentieren, dass Web3 das Internet demokratischer, freier, dezentraler, zensurresistenter mache.

Web1, 2 u.3 – aus: Voshmgir – Token Economy 12/2020 S. 34

Autorin Shermin Voshmgir bezeichnet ihr Buch Token Economy selber als Primer to the Web3 mit dem Anspruch Wissen zu Web3 und Blockchain für ein breites Publikum verständlich zu systematisieren. Web3 erscheint hier als logisch konsequente Folgeversion von Web1 und Web2. Web2 ermöglicht PtoP- Interaktionen, die aber über Plattformen vermittelt werden. Erst Web3 ermöglicht demnach den Datenaustausch ohne Intermediäre.
Das Buch lässt sich geradezu als Nachschlagewerk oder auch erklärende Gebrauchsanweisung nutzen und hält das Versprechen einer  verständlichen Systematisierung ein. Web3 wird als wohldurchdachtes, in sich stimmiges Konzept einer globalen Infrastruktur, das aber erst einmal verstanden werden muss, beschrieben. Im wesentlichen die technischen Details, aber auch weitergehende sozio- ökonomische Bezüge wie die (angenommene) Zukunft von Geld- und Finanzwirtschaft. Zu einer Reihe von Themen gibt es  Infographiken, so zum Governance Feedback Loop (163) – der sozialen Steuerung der System-Regeln und zum  Identitätsmanagement  (103). Welchen Sinn,  welche Nebenwirkungen, welchen gesellschaftlichen Vorteil eine tokenbasierte Ökonomie haben soll, wird über Dezentralität hinaus nicht weiter thematisiert. 

Die Kritik an Web3 richtete sich zunächst v.a. auf den immensen Energieverbrauch beim Schürfen  von Bitcoins – in der Grössenordnung  von  Volkswirtschaften wie etwa Argentinien oder der Niederlande. Wie ist eine solche Ressourcenverschwendung in Zeiten von CO2- bedingtem Klimawandel zu rechtfertigen?
Web3 hat technologische Grundlagen und Grundannahmen (so die Blockchain), ist aber ebenso ideeller Begriff für eine Reihe von  Visionen, Ideologien und Zielen (vgl. Geuter, 22). Mittlerweile hat sich die Kritik verschärft und richtet sich auf Web3 als Ganzes.  Wesentliches Pro- Argument der Web3- Verfechter war immer die dezentrale Organisation – im Gegensatz zu dem von grossen Konzernen beherrschten Web2. 
Rhetorik und Wirklichkeit von Web3 fallen der Kritik nach weit auseinander: Nicht dezentrale Machtverteilung, sondern ein umfassender Einfluss von Investoren bestimmt nach Ansicht von Kritikern Web3. Die Resistenz gegenüber Zensur ist in Wahrheit eine gegenüber Regulierungsauflagen. Geschäfts- und Governance-Prozesse sollten keinesfalls auf eine Plattform ausgelagert werden, die dafür gebaut ist, staatliche Regulierung zu unterlaufen.
Web3 ist derzeit eine Welt ausserhalb von Kontrollsystemen, ein tendenziell staatsfreier Raum in die Nähe libertärer Ideologien. Libertär bedeutete einst einen radikal- heroischen Bruch mit gesellschaftlichen Zwängen, heute wird damit (u.a.) die schrankenlose, anarcho- kapitalistische  Selbstentfaltung hinter einer Rhetorik von Freiheitlichkeit verbunden, die Oligarchien begünstigt. Web3 ist ein Web des Eigentums: Jedes Objekt gehört irgendwem, jedes Objekt kann getauscht und gehandelt werden. Jedes denkbare menschliche Bedürfnis wird wirtschaftlich erschlossen, um dann an den finanziellen Transaktionen – den Bezahlungen dieser Leistungen – beteiligt zu werden (J. Geuter, 2022; M. Engeler, 2022)

Jürgen Geuter, Informatiker und Blogger, hat die Kritik in scharfer Form in dem unbedingt empfehlenswerten Text Das dritte Web (2/22) zusammengefasst – der einer vollkommenen Entzauberung nahekommt: auf technischer Ebene zur (begrenzten) Problemlösungsfähigkeit der Blockchain, dem Wert von NFTs;  mehr aber noch auf der politischen Ebene – kurz zusammengefasst Web3 als einen antipolitischen Raum zur Kapitalakkumulation. Letztendlich gehe es um die vollständige Finanzialisierung und Entpolitisierung unseres Lebens, ohne Rücksicht auf die ökologischen Konsequenzen.
Die Schärfe der Kritik ist nicht auf Geuter begrenzt und ist international. Bekannt wurde seine Kritik v.a. durch Auftritte bei der re: publica 2022 und der öffentlichen Anhörung  “Web 3.0 und Metaverse”im Digitalausschuss des Bundestages. In der Wortwahl der Kritik wird an nichts gespart: Das Web3 ist ein moralisch abgrundtief widerliches Projekt –  Die angedachten Bestandteile des Web3 sind in ihrer heutigen Form fundamental kaputt. Sie bringen nur ohnehin schon wohlhabenden Menschen Wohlstand.   Und:  völlig überhyped. Es ist das Internet, das es zu verhindern gilt – meint Patrick Beuth im Spiegel.

Link auf yt: Interview Gunnar Sohn mit Jürgen Geuter al. @tante – Min. 2.00 – 11.00

Im (über das Bild li.) verlinkten Interview mit Gunnar Sohn nimmt Jürgen Geuter /@tante Stellung zu den Motivationshaltungen der Befürworter,  dazu Meinungen zu deren vermutetem Phänotypus.  Die massive Kritik hat sich bisher in einigen  Fällen durchgesetzt, so in der Anhörung im Digitalausschuss. Und sicher spielt der spekulative Absturz der Kryptowährungen eine Rolle. Es bedeutet nicht, dass das Thema Web3 damit vom Tisch ist, zwar heruntergefahren, aber weiterhin Thema von Workshops, Seminaren, Projekten und es gibt eine Anhängerschaft.

Man kann die Diskussionen um Web3, um das Metaverse, auch die um KI/AI als Teile der Diskurse, der Positionierungen zu einem Next Level  des Internet verstehen. Es geht um die Positionierung bzw. das narrative framing ausgewählter  Zukunftsszenarios als einer jeweils folgerichtigen und wünschenswerten- zumeist von Investoren vorgezeichneten Infrastruktur. Es sind Hype- getriebene Märkte mit dem Impetus, aufzuspringen, um die Rallye nicht zu verpassen.  All diesen – technisch getriebenen – Zukunftsvisionen ist gemeinsam, dass sie für eine akzeptable  Performance kaum einschätzbare Anforderungen an Energie haben.
Web2 begann als Web 2.0 mit einem verbreiteten basisdemokratischen Enthusiasmus – und wurde nach und nach von den  plattformbetreibenden  GAFAM- Unternehmen dominiert. Etwas davon fehlt heute.

 

Jürgen Geuter (tante@tante.cc) : Das Dritte Web  21 S. Antworten zur Öffentlichen Anhörung “Web 3.0 und Metaverse” am Mittwoch, 14.12.2022 –  S02E34 – zu Crypto-Imaginaries und alternativen technologischen Infrastrukturen  in: Jan Groos: Future HistoriesDer Podcast zur Erweiterung unserer Vorstellung von Zukunft  Gunnar Sohn: Interview mit Jürgen Geuter 10/22 Shermin Voshmgir: Token Economy. Wie das Web3 das Internet revolutioniert. Berlin 12/2020, 397 S.  Malte Engeler: Web3  – Ein vergiftetes Versprechen. Netzpolitik.org, 2/22  Podcast – Irgendwas mit Recht: Recht und Digitale Gesellschaft 7/22 .  —  **Web3 Opens New Paths to Customer Loyalty – Boston Consulting Group, Kanada, 1/23  Bernard Murr. The Top 5 Trends in 2023. Forbes Digital Assets 10/22.  Polina Khubbeeva: Kryptowährungen und Blockchain. Die grosse Ernüchterung. Netzpolitik.org 2/23

 



Digitale Consumer Culture

Standardwerk von 1991, second edition 2007

Digital Consumer Culture ist  ein sich zunächst selbst erklärender Begriff, eine Ausweitung bzw. Spezifizierung von Consumer Culture.
Consumer Culture tauchte als Konzept seit den 80er Jahren auf, in den 90ern erschienen mit Consumer Culture and Postmodernism (1991 u. 2007) von Mike Featherstone und  Consumer Culture & Modernity (1997) von Dan Slater,  zwei heute als Klassiker angesehene Titel.
Social arrangement in which the relations between lived culture and social resources, between meaningful ways of life and the symbolic and material resources on which they depend, are mediated through markets* – so eine Definition nach Dan Slater (1998). Es überrascht nicht, dass die Diskurse zu Consumer Culture von Grossbritannien im Zeitalter Thatcher, mehr noch  Blair ausgingen,  entfaltet sich Consumer Culture doch in einem möglichst deregulierten Markt – und ist mit neoliberaler politischer Ökonomie verwoben:  Konsum als populäre Kultur, als kulturelle Praxis im globalisierten Marktkapitalismus.

Kulturelle Intermediäre in der Consumer Culture der 90er: The Face 1993 – Are nerds finally becoming fashionable?

Im Zentrum stand nicht mehr der Konsum aus einheitlicher Massenproduktion, wie er in der Nachkriegszeit typisch war. Globale Vielfalt, postmoderne Lebensstile, eine Ästhetisierung des Alltags waren hervortretende Begriffe  – auch Popkultur bzw. das, was vordem Counter Culture war, reihte sich ein in die Wahlmöglichkeiten des Konsums. Marktorientierte Professionen, wie Medien, Werbung, Design, Mode übernahmen eine Rolle als kulturelle Intermediäre – Creative Industries.
So erscheint Consumer Culture auf den ersten Blick als Synthese oder Amalgam von Popkultur und Marktwirtschaft, wie es in den damaligen Zeitgeist passte. Consumer Culture geht weit über den passiven Konsum von Produkten und Dienstleistungen hinaus, sie beinhaltet die Praktiken, die Identitäten und symbolischen Bedeutungen, die in das Leben  eingebunden sind.
Featherstones Ausführungen sind weit mehr, sie bedeuteten eine detailreiche Zeitanalyse an einem Wendepunkt der Moderne. Neben den damals verbreiteten Autoren wie Baudrillard, Foucault und Anthony Giddens, bezog sich Featherstone auf die Kritische Theorie der Frankfurter Schule, nahm die Thesen des kulturellen Kapitals von Bourdieu auf, und Bezug auf die Elias’sche Zivilisationstheorie. So lässt sich das Buch im Kontext langfristiger gesellschaftlicher Entwicklungen betrachten –  auch nach 32 (bzw. 15) Jahren aktuell. Nur von Postmoderne spricht man heute nicht mehr, höchstens im Rückblick – stattdessen von Spätmoderne bzw. postindustrieller Gesellschaft.
Inwieweit eine Verbindung zu den zur selben Zeit aufblühenden  Cultural Studies (John Fiske, Birmingham) bestand, ist nicht ganz deutlich.  Ganz knapp gefasst geht es dort um die politische Dynamik populärer Kultur. Konsumenten/ Fans von TV, Popmusik und Markenartikeln, oder auch Games kann eine aktive Rolle nachgesagt werden, in dem sie die kulturellen Bedeutungen der Objekte definieren.
Ebenso schliesst hier das (im Blog schon oft beschriebene) Konzept der (Consumer) Tribes an – posttraditionale Vergemeinschaftungen innerhalb einer Consumer Culture. Konsum ist ein Weg, soziale Identität zu konstruieren und kann Grundlage gemeinsamer Erfahrungen sein. Consumer Culture hat im Laufe der  Jahre  ein weites Forschungsfeld geöffnet und wurde zu einem zentralen Thema in Human- und Sozialwissenschaften + Business Studies – im deutschen Sprachraum allerdings weniger verbreitet.
Consumer Culture Theory bedeutet allerdings keine grosse, das ganze Feld umfassende Theorie, sondern verweist auf die dynamischen Beziehungen zwischen den Handlungen von Konsumenten, dem Markt und kulturellen Bedeutungen, den Narrativen. CCT sieht Konsumenten als aktive Teilnehmer in diesem Feld, die die von institutionellen Medien und Werbebotschaften verbreiteten Narrative oft auch entgegen der ursprünglichen Absicht umdeuten (können).  Damit setzt sie sich gegenüber älteren Vorstellungen, dass Konsumenten Objekte medialer Manipulationen seien, ab.

Einige hervortetende Merkmale lassen sich festhalten: Die Ausbreitung der Logik des Marktes in viele Bereiche  des sozialen, kulturellen und persönlichen Lebens – was auch mit sich zieht, dass sich Markttreibende aller vorhandenen kulturellen Bedeutungen – Narrative – bedienen. Eine lange Zeit bestehende Counter Culture, wie auch ethnische oder andere tribale Sonderkulturen werden zu weiteren Trägern kultureller Bedeutungslinien.  Im weiteren das Verwischen der Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit mit Tendenzen, die gelegentlich als Prosumer bezeichnet werden.  Diese Entwicklungen, die bereits vor der eigentlichen Digitalisierung einsetzten, steigerten sich weiter mit ihr, bzw. nahmen entsprechende Formen an.

Digitale Consumer Culture Bild: Martin Sanchez; unsplash.com

Digitale Consumer Culture wurde bisher selten als solche beschrieben, die einzelnen Merkmale hingegen immer wieder. In den 90er Jahren begannen mehr und mehr Veränderungen durch Digitalisierung in der Breite spürbar zu werden:  Desktop Publishing, E- Mail, schliesslich Digitale Photographie, mp3 – und die einzelnen Funktionen wuchsen zusammen. Den entscheidenden Wandel zeigten dann aber frühe Plattformen wie E-Bay und Napster an.

Entscheidend wurde das Wissen über die Verbindungen. Bei Napster war es wer sich für welche Musik interessiert, darüber verfügt und wer sie teilt – ein Muster, wie es sich in immer wieder neuen Bereichen wiederholte: “the global mapping of everybody and how they’re related“** – die Kartographie der Gesellschaft entlang sozialer Graphen, wie es in der Consumer Culture der 90er Jahre vorgezeichnet war.
De darauf aufbauende Plattformisierung, die Macht der Plattformen, ist so das auffallendste Merkmal der Digital Consumer Culture, das  sie von der prä- digitalen Consumer Culture abhebt. Darüber wurde in den letzten 15 Jahren ausgiebig diskutiert, ein entscheidender Punkt ist die Adressierbarkeit über (verdatete) Merkmale, die das passgenaue Zusammenführen von Angebot und Nachfrage in datenreichen Märkten möglich macht – vom B2B, zu individualisierter Werbung, zu Matchings aller Art incl. Dating. Darauf gründet das Oligopol der GAFAM+ Unternehmen.
Weitere auffallende Merkmale sind die sog. Sharing Economy, die Verbreitung von Abo- Modellen, der Auftritt von Influencerinnen als Intermediären von Konsum und die Möglichkeit einer Art seriellen Singularisierung, d.h. eieinfache Möglichkeiten Produkte und Dienstleistungen zu individualisieren.
Ein Bedarf an Valorisierung von  Konsum, ästhetisch/ kultureller Wertzumessung entsteht. Oft geschieht das durch narrative Aufladung – Storytelling.  Kulturelle Ressourcen jeglicher Herkunft, ethnischer, historischer, popkultureller stehen zur Verfügung. Man lästert schon darüber, dass jede Tafel Schokolade, fast jeder Gebrauchsgegenstand narrativ aufgeladen wird – ein breites Arbeitsfeld von Agenturen als Intermediären von Narrativen, salopp gesagt. Die Spätmoderne seit der Jahrtausendwende brachte Veränderungen der gesamten Architektur der Lebens- und Arbeitswelt mit sich und wahrscheinlich ist Digital Consumer Culture eine der passendsten Bezeichnungen unserer Gegenwart. Fast jedem ist darin die Rolle als Konsumentin vertraut. Ohne Consumer Culture wäre Digitalisierung zumindest nicht in der Form verlaufen, wie wir sie erlebt haben.

Konsum wird oft als Ersatzhandlung fern des wirklichen, authentischen Lebens trivialisiert – aber ist dennoch eine dominierende Kraft, die die gegenwärtige Weltwirtschaft aufrecht erhält. Konsumkritik hat eine lange Tradition, dennoch nehmen Kaufentscheidungen zu materiellen Gütern und Dienstleistungen einen entscheidenden Anteil an Aufwand und Zeit ein.
Konsum wird moralisiert – heute v.a.  im Sinne des richtigen, nachhaltigen Konsum von Waren und Dienstleistungen. Worte wie Flugscham machen es deutlich.

Einschränkungsflanken des Konsums – Bild: unsplash.com

Im Ausblick zur Zukunft werden die Einschränkungsflanken und damit  Grenzen von Konsum deutlich.  Was sind die Folgen von 200 Jahren steigenden Konsums?  Zumindest ist nachhaltiger  Konsum aktueller Trend, allerdings auch Greenwashing. Ein Leitmotiv der Selbstentfaltung schliesslich ist nicht erlahmt und erschöpft sich nicht in  Konsum. Selbstentfaltung bedeutet nicht nur die performative Form, kann auch ebenso die  Selbstgestaltung der  Lebensführung bedeuten. Eine Möglichkeit, in der sich Trends verschieben.

vgl.:  *Definition:  Don Slater in Consumer Culture and Modernity,  1997″ Mike Featherstone: Consumer Culture and Postmodernity.  1991 u. 2007  Consumer Culture and its Futures. Dreams & Consequences  In : Approaching Consumer Culture. 2019w  Kai- Uwe Hellmann: Der Konsum der Gesellschaft. Studien zur Soziologie des Konsums (Konsumsoziologie und Massenkultur. 2. Aufl. 2019 Mentaler Konsum: Ein Experteninterview mit Kai-Uwe Hellmann. Soziologie Magazin 1/2019. Konsum > Protest > Mobilisierung. Politischer Konsum und konsumistische Bewegungen 10/2022   **A. Iskold, “Social Graph: Concepts and Issues,” ReadWriteWeb, September 12, 2007

 



2023 – Was geht voran?

»Zeitenwende«  wurde zum Wort des Jahres 2022 – das Kanzlerwort bezog sich auf den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine, den Bruch der bestehenden Friedensordnung. Im weiteren auf dessen Folgen und Konsequenzen: Energiekrise und Inflation, aber auch eine Neuausrichtung der deutschen Wirtschafts- und Energiepolitik.
In den Vorjahren hatte Corona fast alles andere überschattet. Corona ist  zwar nicht  vorbei, aber in Folge der Impfkampagnen entschärft.  Dennoch bleiben die Spuren und Erfahrungen. Klima- und andere Umweltkrisen waren nicht unterbrochen, sind aber 2022 wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein gestossen.
So stehen zum Jahreswechsel 2022/23 Krisen im Vordergrund. Krisen, die nicht abstrakt im Hintergrund stehen, sondern auf individueller wie kollektiver Ebene erfahren werden – man spricht von multiplen Krisen, auch eine neue Wortschöpfung tritt auf: Stapelkrise.

Die Krisen trafen auf eine vielfach durchgetaktete und optimierte digitale Consumer Culture. So durchgetaktet, dass sich selbst kleinere Störungen in Lieferketten schnell bemerkbar machen. Jedenfalls ist die Welt eine andere, als sie es vor etwa drei Jahren war. Krise bedeutet die Abwesenheit stabiler Zustände, die kommenden Jahre scheinen wenig klar – eine Gelegenheit für einen  Blick zurück und nach vorn: Welche Zeit geht zuende und was treibt eine neue an?

Plattform nach dem Social Graph Bild: mburpee/flickr.com

Im Blick zurück war das vorhergehende Jahrzehnt, nicht ganz exakt die 10er Jahre,  geprägt von der rasanten Verbreitung des mobilen Internet, von Social Media, der Landnahme der GAFAM-Konzerne und der Verbreitung einer digitalen Consumer Culture.
Landnahme bedeutet die Einnahme von oft  bereits bestehenden Beziehungsnetzwerken bzw. Interaktionszusammenhängen entlang sozialer Graphen durch  Plattformunternehmen. Zusammenhänge, die bereits bestanden, denen bis dahin aber wenig Bedeutung zukam (mehr dazu, vgl. Seemann:  Die Macht der Plattformen). Der wesentlichste Kritikpunkt ist die umfangreiche Sammlung persönlicher Daten durch Plattformunternehmen.
SmartPhone und mobiles Netz verbreiteten sich so schnell und in solcher Breite, wie selten eine Technologie zuvor – und das weltweit.   Sie bündelten Funktionen, die bereits vorhanden waren: Telephonie, Internet, Fotografie & Video, Tracking etc. Social Media gaben den Raum für performative Selbstentfaltung – ein Merkmal der Spätmoderne.
Mittlerweile gibt es Social Media schon mehr als ein Jahrzehnt – Facebook hat sich umbenannt, Twitter gerät ins Trudeln. Geht ihre Zeit  und mit ihnen auch die der Mega – CEOs, den Superstars aus der digitalen Wirtschaft, vorüber? Instagram und LinkedIn stehen allerdings in ihrer Blüte, will man unsere Gegenwart beschreiben, kann man gleich dort  anfangen.
Machen nun neue Technologien den Trend – oder wird Digitalisierung von der  treibenden zur dienenden Technik? Jede technologische Entscheidung hat entsprechende, oft weitreichende Veränderungen zu Folge.

Metaverse und Web3  werden oft in einem Zug als Zukunftstechnologien, als neue Stufen der digitalen  Evolution genannt, so waren sie auch gemeinsam Gegenstand einer Anhörung im Bundestag am 14.12. Ansonsten sind es zwei völlig voneinander unabhängige Entwürfe. Beide sind zudem mit wirkmächtigen Erzählungen/ Narrativen verknüpft, die ihre Popularität stützen. Der Hype ums Metaverse (mehrfach Thema im Blog) währt nun etwas mehr als ein Jahr – ausgelöst mit der Umbenennung von Facebook zu Meta.
Matthew Ball, Protagonist und Investor, hat vor einigen Monaten ein Standardwerk vorgelegt, das sich als Guide zum Thema nutzen lässt,  incl. allgemein akzeptierter Definitionen. Finale Vorstellung bleibt ein zusammenwachsender Raum aus virtueller und physischer Realität – im besten Falle ein Collective Virtual Open Space – ein solcher Raum würde tatsächlich Revoluzionize Everything (Ball). Es könnte vieles sein, von einem gigantischen Disneyland zum Common Meeting Ground einer Weltgesellschaft.
Für jeden, der sich neu mit dem Thema befasst, ist es zunächst verwirrend, dass so intensiv über etwas diskutiert wird, was es (noch) nicht gibt. In der Diskussion wird Metaverse oft mit XR/Extended Reality zusammengeworfen. Nicht ganz falsch, immerhin ist es die Technologie, die ein Metaverse erst ermöglicht. Immersive Techniken (Oberbegriff zu AR/VR/Mixed Reality) sind eine aufstrebende Branche, die immer mehr Anwendungsfelder findet. 

Web3 – nicht zu verwechseln mit Web 3.0, dem semantischen Web,  basiert auf der Blockchain- Technologie, einem gemeinsam geführten Register für die Aufzeichnung von Transaktionen. Web3 ist verbunden mit  Kryptowährungen, Smart Contracts und NFTs (non-fungible tokens/ virtuelle Originale).  Wesentliches Pro- Argument war immer die dezentrale Orgnisation, im Gegensatz zu dem von grossen Konzernen beherrschten Web2.
Kritik richtete sich v.a. auf den überdimensionalen Energieverbrauch. In der Anhörung fiel die Kritik noch stärker – harsch bis vernichtend – aus: Als unregulierte Finanzprodukte  seien Kryptowährungen v.a.  zur Steuerhinterziehung und den Handel mit illegalen Waren geeignet.  Protagonisten von Web3 argumentieren, dass Web3 das Internet demokratischer, freier, dezentraler, zensurresistenter mache. Mit Zensur seien v.a. Regulierungsauflagen gemeint. Geschäfts- und Governance-Prozesse könnten keinesfalls auf eine Plattform ausgelagert werden, die dafür gebaut ist, Regulierung zu unterlaufen. **
Web3 rückt  demnach in die Nähe libertärer Ideologien + Begünstigung krimineller Geschäfte – hinter einer Rhetorik von Dezentralität und Freiheitlichkeit. Libertär bedeutete einst einen radikal- heroischen Bruch mit gesellschaftlichen Zwängen, heute wird damit (u.a.) die schrankenlose, anarcho- kapitalistische  Selbstentfaltung  von Oligarchen verbunden.

Einschränkungsflanke jeden technischen Fortschritts ist die Versorgung mit möglichst emissionsfreier Energie –  darüber hinaus ist der Erhalt der natürlichen Ressourcen, von Klima, Artenvielhalt u.v.m. die grosse Einschränkungsflanke aller Zukunftsvisionen und der gesamten menschlichen Zivilisation. Etliche frühere Zivilisationen sind am Verlust naürlicher Ressourcen zu Grunde gegangen – unsere heutige Zivilisation ist aber global, Bewahrung der Ressourcen die grosse gesellschaftliche Herausforderung.
Für Strategien, die diese Voraussetzungen berücksichtigen, sei der Report  Digital Reset. Für eine grundlegende Neuausrichtung von Technologien für die sozial-ökologische Transformation  genannt – der von einem Europäischen Expertenpanel ausgearbeitet wurde. Es geht um die Ausrichtung von Digitalisierung auf Nachhaltigkeit, die dann in zehn Leitsternen als Empfehlungen für einen digitalen Reset vorgestellt wird. Politik wird als Primat  digitalen Innovationen vorangestellt. Letztere stehen somit in einer dienenden Funktion.
Philipp Staab, einer der Beteiligiten, hatte kürzlich in Anpassung. Leitmotiv der nächsten Gesellschaft Anpassung als neue gesellschaftliche Strategie beschrieben – ich stimme nicht ganz damit überein (s. Rezension). Man kann jetzt noch die Arbeiten von Bruno Latour heranstellen – später mal …

**vgl.: Jürgen Geuter (tante@tante.cc) : Antworten zur Öffentlichen Anhörung “Web 3.0 und Metaverse” am Mittwoch, 14.12.2022 –  S02E34 – zu Crypto-Imaginaries und alternativen technologischen Infrastrukturen  in: Jan Groos: Future HistoriesDer Podcast zur Erweiterung unserer Vorstellung von Zukunft. Digital Reset. Redirecting Technology for the deep Sustainability Transformation. Technische Universität Berlin, Fachgebiet Sozial-ökologische Transformation: (10/2022)

 



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