Disruption -die Ideologie der Tech-Oligarchen (Rez.)

Ohne die Ideologie der Tech-Oligarchen lässt sich der Epochenbruch nicht begreifen, den Trump II bedeutet.

Jannis Brühl, Digitalexperte der Süddeutschen Zeitung, hat mit Disruption. Die Ideologie der Tech-Oligarchen und das Ende der Demokratie, wie wir sie kennen, eine Analyse vorgelegt, die die Machtübernahme Trump II als eine Revolution von Tech-Oligarchen versteht. Eine Revolution libertärer Milliardäre, mit dem unbedingten Willen zu  unreguliertem  Fortschritt. Mit Trumps zweitem Wahlsieg machten sie  sich  auf, den Moment zu nutzen und die Welt nach ihren Vorstellungen umzubauen (7) – die Zukunft in Beschlag zu nehmen.

Die ikonischen Bilder des Schulterschlusses von Populisten der Make-America-Great-Again-Bewegung und den digitalen Oligarchen aus BigTech setzten einen Einschnitt in die Zeitgeschichte. Mit einem Jahr Abstand zeigen sich Auswirkungen des Einschnitts auf vielen Ebenen  konkreter.
Ein politisches Bündnis mit viel Erklärungsbedarf  – auch in diesem  Blog ein seitdem wiederkehrendes Thema (vgl. Tech- Faschismus – Ein Mash-Up als Machtsystem, Cyberlibertarianism) –  zu deutlich erscheinen auf den ersten Blick die Widersprüche zwischen den beiden Parteien.
Brühl übernimmt das Bild der Zwei Stämme innerhalb der Allianz. Das Bild stammt von J.D. Vance, der sich selber als Teil beider Stämme sieht, als ein Verbindungsglied. Der eine Stamm sind die Populisten von MAGA, der zweite Stamm sind die Tech-Futuristen rund um die digitalen Oligarchen. Um die  letzteren geht es in diesem Buch.

Disruption als Geschäftsmodell – und politisches Programm

Die Machtübernahme ist vielfach gedeutet worden: als Staatsstreich bzw. Autogolpe, dem Selbstputsch eines legal gewählten Präsidenten. Brühl deutet sie als Disruption – den Bruch des bestehenden Systems durch ein neues Geschäftsmodell. Ein Modell aus der StartUp Ökonomie, angewandt auf ein politisches System.
Disruption ist ein zentrales Buzzword der digitalen Ökonomie – ohne den Bruch mit dem Bestehenden keine Innovation. Echte Neuerung könne nur entstehen, wenn man die Regeln des bestehenden Systems ignoriert oder bricht. Innovation wird nicht mehr als Evolution (stetige Verbesserung), sondern als Revolution (Zerstörung des Alten) definiert. Wer nicht disruptiert, innoviert nicht wirklich – er verwaltet nur.
Die disruptive Innovation ist eine Kraft, die die Welt aus den Angeln hebt (23). Auf ihr beruht die Legitimation der Disruptoren – jener kreativen Unternehmer, die den Fortschritt nicht nur antreiben, sondern beanspruchen, ihn zu verwirklichen.

Gerne wird Disruption mit dem Konzept der kreativen Zerstörung von Joseph Schumpeter in Verbindung gebracht. Innovation, die alte Ordnungen zerstört, um wirtschaftlichen Fortschritt anzutreiben.
Tatsächlich geht das Konzept der disruptiven Innovation, wie es heute genutzt wird, auf den Ökonomen Clayton Christensen zurück. Er beschrieb 1997 in The Innovators Dilemma, wie kleine Firmen etablierte Riesen stürzen, indem sie den Markt von unten mit billigeren, simpleren Lösungen aufrollen. Ein klassisches Beispiel von Disruption ist z.B. die Verdrängung der analogen durch die digitale Photographie – eine neue Technik verdrängt eine ältere. V.a. aber auch die Disruption von Strukturen durch digitale Techniken, wie etwa Amazon den Einzelhandel veränderte oder auch Social Media die mediale Öffentlichkeit.
Die Berufung auf Schumpeter ist allerdings nachträgliche Legitimation, keine intellektuelle Genealogie.

Die ideologischen Unternehmer und ihrWerkzeug

Es sind nur wenige Namen, die Brühl hervorhebt: Peter Thiel, Elon Musk, Mark Zuckerberg, Alex Karp (Palantir), Sam Altman und Marc Andreessen. Hinzu kommen David Sacks, Berater von Trump, Palmer Luckey, CEO des Rüstungs- StartUp Anduril, Brian Armstrong (Coinbase) und der neoreaktionäre Theoretiker Curtis Yarvin.
Mehrere von ihnen, Thiel, Musk, Sacks, sind durch die sogenannte PayPal Mafia verbunden, jenes Gründer-Netzwerk, das sich seit den frühen 2000ern gegenseitig finanziert, verstärkt und ideologisch bestätigt. Palmer Luckey (Oculus, virtuelle Realität) vertritt eine jüngere Generation, die dasselbe Muster fortsetzt. Sie produzieren Ideologie, nicht nur Marktdominanz, und prägen zunehmend öffentliche Debatten.

Warum diese Namen – und nicht Jeff Bezos, nicht die CEOs von Google, Microsoft oder Apple?
Google, Apple, Microsoft operieren nach klassischer Marktlogik: Gewinnmaximierung, Quartalsberichte, Shareholder Value. Sie wollen ökonomisch in ihren Geschäftsfeldern dominieren, nicht die Welt nach ihren Vorstellungen umbauen. Ihre Macht ist hegemonial, aber sie beanspruchen keine politische und keine historische Mission.
Die Grenzen verschwimmen allerdings: Microsoft investiert massiv in OpenAI und profitiert von dessen AGI-Narrativ, ohne es selbst zu produzieren. Meta entwickelte seine Ideologie nachträglich, als Legitimation bereits erreichter Dominanz – die inzwischen aber die Unternehmensstrategie prägt.  Bezos‘ Ambitionen gehen ins Imperiale und  – wie Musk – ins All, aber er agiert als klassischer Monopolist, nicht als ideologischer Unternehmer.

Brühl nennt sie Futuristen, wie jene italienische Künstlerbewegung, die Mussolinis Faschismus zuneigte. In Trump finden sie den politischen Disruptor, a kind of idiot messiah, einen Mann, der die Details nicht versteht, aber genau deshalb ihre Ziele verwirklichen könnte, unbeeinflusst von liberalen, vor allem woken Bedenken (H. Farrell, s.u.). Trump disruptiert, weil er sich an keine anderen  Regeln hält, als die der Macht.  Nicht an die des guten Geschmacks,  nicht an die der Diplomatie. Dinge zu tun, weil man sie tun kann gilt für beide Seiten.

Machtkonzentration und nachträgliche Legitimation

Die Oligarchen ergänzen Trump, mehr noch: Sie haben tatsächlich das erreicht, was Trump von sich selbst nur behauptet, nämlich wirklich erfolgreiche Unternehmer zu sein, die die digitale Gegenwart gestaltet haben (9).
Ihr Überlegenheitsgefühl speist sich aus einer historisch einzigartigen Machtkonzentration. Den Kartellen von BigTech ist es gelungen, globale Innovationsgewinne der digitalen Moderne in wenige Hände zu kanalisieren. Es ist eine digitale Landnahme, bei der öffentliche Räume in privatisierte Social-Media-Machtzentren transformiert wurden.
Dass sie diese Erfolge ganz allein in der Privatwirtschaft errungen hätten, ist allerdings ein Mythos, den das Silicon Valley gerne pflegt (66). Tatsächlich haben Tech-Unternehmen seit jeher von massiven staatlichen Anschüben profitiert; ihre eigene Leistung ist oft geringer, als ihr titanisches Selbstbild vermuten lässt.

Vom Cyberlibertarismus zur Herrschaftsideologie

Ideologisch wurde das Silicon Valley erst spät aktiv. Cyberlibertarismus hat dort zwar tiefe Wurzeln, bedrohlich für die Demokratie wird er aber erst dann,  wenn die neue digitale Ordnung mächtiger wird als die bisherige Ordnung, an deren Stelle sie tritt. Peter Thiel markierte 2008 mit The Education of a Libertarian einen Wendepunkt, als er unternehmerische Freiheit und Demokratie für unvereinbar erklärte. Mit Uber begann 2009 eine aggressive Expansion gegen lokale Regulierungen. Bis heute hat sie sich zu  einer globalen politischen Vision ausgeweitet.
Der Kauf und der Umbau von Twitter/ X durch Elon Musk ist symptomatisch. Tech-Konzerne positionieren sich heute aktiv gegen öffentliche Regulierungen – egal, ob diese demokratisch ausgehandelt und legitimiert sind.  Disruption ist nicht mehr nur eine Strategie, um Märkte aufzubrechen. Es ist ein unverhohlene Machtanspruch.

Akzelerationismus: Die Ideologie der Beschleunigung

Wie radikal diese neue Stufe des Machtanspruchs ist, zeigt ein Zitat von Alexander Karp, aus einem Investor Call vom Mai 2025, das aktuell (Februar 2026) wied erdie Runde macht: Palantir is here to disrupt and make the institutions we partner with the very best in the world and when it’s necessary to scare our enemies and on occasion kill them  (vgl.: npr.org 05/2025).
Oligarchen sehen sich als Sachwalter eines Fortschritts, den sie selbst definieren. Wer definiert, was Fortschritt ist, erhebt Anspruch auf Gestaltung der Zukunft. Mit ihrer monopolisierten ökonomischen Kraft schicken sie sich  nun an, die Welt nach ihren Vorstellungen neu zu bauen (14).

Digitale Oligarchen/ BigTech/ Silicon Valley – wie man sie auch nennt, wurden mit ihrer monopolisierten ökonomischen Macht zu einer politischen Kraft. Sie betreiben aktiv öffentliche Ideologiearbeit und beanspruchen kulturelle Deutungshoheit als Sachwalter des Fortschritts. Wer definiert, was Fortschritt ist, kontrolliert die Zukunft selbst.

Kaum ein Dokument fasst diese Ideologie so klar zusammen wie Marc Andreessens Techno-Optimist Manifesto (Oktober 2023). Der Text ist das vielleicht prägnanteste Beispiel für jenes Denken, das als Akzelerationismus bezeichnet wird: Es soll keine Grenzen mehr geben, nur noch Beschleunigung durch Technologie. Alles, was die technologische Entwicklung bremst, ist bei Andreessen nicht nur ein Hindernis, sondern böse, weil es den (durch Technik erreichbaren) Wohlstand der Menschheit verhindert. Andreessen listet u.a. Feinde des Fortschritts auf, darunter Begriffe wie Social Responsibility, Sustainability (Nachhaltigkeit), Precautionary Principle (Vorsorgeprinzip) und sogar Ethics.  Die Konsequenz: Wer KI regulieren wolle, verbaue den Weg in die Zukunft. Den Gang der Geschichte dürfe man nicht aufhalten.

Akzelerationismus begreift den Kapitalismus als unaufhaltsamen, durch Technologie getriebenen Beschleunigungsprozess, der auf eine posthumane Zukunft zielt. Die Strömung ist keine neue Erfindung, sondern ein Upgrade des Cyberlibertarismus, der Tech noch als Raum jenseits staatlicher Souveränität verstand.
Was neu ist, ist die Funktion: Aus einer subkulturellen Selbstermächtigung wurde eine Herrschaftsideologie. Akzelerationismus rechtfertigt nicht mehr nur die Freiheit von Regulierung, sondern den Führungsanspruch einer oligarchischen Elite – als historische Notwendigkeit, der sich die Demokratie unterzuordnen hat.

AGI als ultimative Rechtfertigung

Eine ultimative Legitimation liefert ein Konzept, das bisher nicht existiert, aber als unvermeidlich inszeniert wird: Artificial General Intelligence (AGI), die Superintelligenz.  Sie spielt eine eigene Rolle in den Erzählungen der großen KI-Firmen – bei OpenAI geradezu als mythologische, zugleich dystopische Verheissung. Wahlweise Erlösung (die Lösung zentraler Menschheitsprobleme) oder Apokalypse (existenzielle Bedrohung). Beide Narrative erzeugen denselben Effekt: Entwicklung erscheint dringlich, Regulierung darf sie nicht ausbremsen und Kontrolle konzentriert sich bei den Akteuren, die AGI vorantreiben. Die Erzählung wirkt, bevor die Technologie existiert.

Resumé  und was wir tun können

Mit dem Abstand eines Jahres liefert Jannis Brühl eine kompakte und detaillierte Analyse des zweiten Stammes der Trump-Allianz – der Tech-Oligarchen, ihrer Ideologie und ihrer Ambitionen. Das Buch ist Pflichtlektüre für alle, die verstehen wollen, dass es nicht um technologischen Fortschritt geht, sondern um einen systematischen Angriff auf demokratische Institutionen.

Gegen die digitale Landnahme und die Vereinnahmung von Zukunft  hilft nur eines: aufhören, die Monopolisierung digitalen Fortschritts durch  Oligarchen als unvermeidliche Naturgewalten zu akzeptieren, und beginnen, die Infrastrukturen unserer Zukunft wieder selbst zu gestalten – statt sie nur zu abonnieren.

Die Zukunft ist offen und nicht das Eigentum einer kleinen Clique.

 

Jannis Brühl: Disruption. Die Ideologie der Tech-Oligarchen und das Ende der Demokratie wie wir sie kennen.  01/2026  – vgl.  Jannis BrühlDer Seitenwechsel – wie die Oligarchen rechts wurden  SZ 21.02.25. *Henry Farrell: When tech CEOs are like grumpy ducklings 19.07.2025. Simon Lewis, Humeyra Pamuk and Gram Slattery: Exclusive: US plans online portal to bypass content bans in Europe and elsewhere . 18.0.2026.  Bobby Allyn: How Palantir, the secretive tech company, is rising in the Trump era.  npr.org  3.05.2025
Im Blog: Tech- Faschismus – Ein Mash-Up als Machtsystem; Cyberlibertarianism – The Right Wing Politics of Digital Technology



Tech-Kapitalismus und die Mythen der Macht

Populäre Mythen in Digitalien. Quelle: Ventil Views. unsplash.com

Der folgende Text verbindet mehrere zeitgeschichtliche Stränge: die gesellschaftliche Bedeutung von Pop- und Subkulturen, ihre Verschränkung mit technologischem Wandel und technologischer Machtentwicklung. Wie konnte aus  digitalen Utopien der Gegenkultur die Tech-Oligarchie von heute wachsen?

Zwei Texte aus der aktuellen Ausgabe des philosophischen Wirtschaftsmagazins agora42 (Schwerpunkt: Technik) brachten mich auf die Idee, diesen Zusammenhang genauer zu behandeln.

Anna-Verena Nosthoffs Die Geburt des Tech-Kapitalismus aus dem Geist der Gegenkultur – ein Auszug aus ihrem demnächst erscheinenden Buch Kybernetik und Kritik (15.02.) – knüpft an den Whole Earth Catalog und die Gegenkultur der Bay Area an. Sie bringt die damalige Hoffnung auf den Punkt: Computer erschienen als geeignete Werkzeuge zur Weiterführung ihrer Ziele, als demokratische Traummaschinen. Sie versprachen unmittelbare Partizipation, individuelle Teilhabe sowie gänzlich neue Organisationsformen jenseits jeder Machtanhäufung.
Die vollständige Argumentation zur Rolle kybernetischen Denkens wird in ihrem Buch nachzulesen sein.
Marc Drehers Text Zwischen Code und Kultur: Das Silicon Valley als Mythos und Machtmaschine zeigt die Transformation dieser Hoffnung: Historisch gesehen sei das Silicon Valley zwar ein Produkt der subversiven Gegenkultur der 1970er Jahre – angekommen ist es heute in einem libertären Autoritarismus. Technik trägt immer die Werte und Weltbilder ihrer Schöpfer in sich. Sie entscheiden, was sichtbar wird, was unsichtbar bleibt, was messbar und was zählbar ist. Die kulturelle Macht von Technik, so Dreher, beruht gerade darauf, dass sie als Naturgesetz und nicht als sozialer Aushandlungsprozess präsentiert wird. (S. 23).

Die Versprechen demokratischer Teilhabe sind der Ausgangspunkt. Der folgende Text zeichnet die kulturellen Linien dieser Transformation nach, die Herausbildung einer  Geek-Kultur und ihre Verschränkung mit Mythologien.

Die Ursprünge: Gegenkultur und digitale Utopie

Kalifornische Ideologie: Burning Man Festival – Bild: Juan Carlos Ramirez.Unsplash+

San Francisco und die gesamte Bay Area zählten zu den Epizentren des Aufbruchs jener Zeit. Ein kulturelles Klima, in dem nonkonformistische Lebensentwürfe anschlussfähig wurden, hatte sich dort bereits seit den Zeiten der Beatniks der 1950er Jahre ausgeprägt.

Bewegungen mit globaler Ausstrahlung hatten hier ihren Ausgangspunkt. Ohne Beatniks, Hippies, Kommunarden und Gay Liberation hätte es die frühe digitale Kultur nicht in dieser Form gegeben. Sie schufen soziale und kulturelle Voraussetzungen und brachten eine Offenheit gegenüber alternativen Lebens- und Organisationsformen mit sich. In dieses Klima alternativer Bewegungen reihte sich die frühe digitale Kultur, als  Cyberculture  ein.
Auch die massive Präsenz psychedelischer Drogen, insbesondere LSD, wird mit der Lockerung hierarchischer Zwänge und einer gesteigerten Offenheit für neue Denk- und Organisationsformen in Verbindung gebracht. Exzentrik wurde nicht sanktioniert, sondern als Innovationskraft gefeiert.

Oft erwähnt wird der  Whole Earth Catalog (Statement: We are as gods and might as well get good at), der sich als Brücke zwischen Hippie-Ethos und Technologie verstehen lässt. Von seinem Backcover stammt der oft mit Steve Jobs verbundene Spruch stay hungry, stay foolish, eine Verbindung, die Apple unter Jobs meisterhaft für sein Marketing nutzte. Sie sprach insbesondere ein Klientel an, das sich selbst als kreative Elite verstand.

Das Ecosystem: Kultureller Kitt und ökonomische Macht

Die Gegenkultur bzw. Cyberculture ist die eine Seite. Eine Geschichte,  die das Silicon Valley selbst gern erzählt und auf die es gern zurückgreift. Mit Nachwirkungen im Stil und im Selbstverständnis, als Referenz in Marketingkampagnen. Die damit verbundene Ästhetik der Rebellion wird gerne hervorgehoben – sie passt zu gut zur Inszenierung als kreative Rebellen.
Ein kultureller Kitt, der das Ecosystem des Silicon Valley zusammenhält. Dieses Ecosystem besteht aus mehreren Elementen: der Talent-Pipeline der Universitäten (Stanford, Berkeley), dem Venture Capital, einer Infrastruktur spezialisierter Dienstleister – und eben jenem kulturellen Mythos, in dem Rebellion zur Corporate Identity wurde und sich langsam zum Gestus der Disruption wandelte.
Dieser Mythos wirkt wie ein Magnet für Talente weltweit und kaschiert gleichzeitig die harten ökonomischen Abhängigkeiten.

Um zu einem Innovationszentrum mit globaler Ausstrahlung zu werden brauchte es gewaltige finanzielle Mittel, die zunächst u.a. aus dem Verteidigungshaushalt der USA stammten und die Forschungslandschaft der führenden Universitäten. Börsengänge spielten seit den 1980er Jahren eine wachsende Rolle, und ab einem bestimmten Zeitpunkt war es das aggressive Risikokapital, das die Ausrichtung der Industrie bestimmte.

Der Kipppunkt: Wenn die digitale Ordnung die Macht übernimmt

Damit verändert sich die Struktur der Macht selber. Digitale Infrastrukturen werden selber zur Ordnung der Macht.  Sichtbarkeit, Relevanz, Zugänglichkeit, Einfluss und Wert werden neu sortiert. Macht liegt nicht mehr zwingend in Befehlsgewalt, sondern in der Fähigkeit, Relationen zu strukturieren.
Ein Kipppunkt liegt dort, wo die digitale Ordnung der Dinge bedeutender wird als die bislang bestehende – wenn digitale Infrastrukturen so zentral werden, dass Digitalunternehmen die Regeln festlegen, nach denen sich andere richten müssen.
Sichtbar wurde dieser Kipppunkt etwa mit dem Verschwinden der Maxime Don’t be evil  aus dem Verhaltenskodex von Google (2015).

Cyberlibertarismus: Von der Utopie zur Oligarchie

Seit der Allianz von MAGA und Tech-Eliten gibt es einen besonderen Erklärungsbedarf – wie konnten aus techno-utopischen Ideen oligarchische Machtstrukturen wachsen?

Vor einem Jahr hatte ich unter dem direkten Eindruck der Ereignisse rund um die Trump’sche Inauguration Cyberlibertarianism -The Right-Wing Politics of Digital Technology von David Golumbia gelesen und besprochen (Link zur Rezension). In seinem Kern gründet Cyberlibertarismus auf der Überzeugung, dass digitale Technologie außerhalb der Kontrolle demokratischer Regierungen stehen sollte – also auch jenseits demokratisch legitimierter politischer Souveränität.
Golumbias Werk ist ein Schlüsseltext zu den zunächst widersprüchlich erscheinenden Freiheitsbegriffen rund um die Techkultur. Freiheit wird als Abwesenheit von Regulierung, nicht als Fähigkeit zur Teilhabe verstanden.

Einige Elemente der frühen Cyberculture führen heute ein Eigenleben – mit umgekehrten Vorzeichen. Die radikale Ablehnung staatlicher Einmischung, wie sie sich etwa in Declaration of the Independence of Cyberspace (1996) zeigt, richtete sich gegen Regierungen, die ein marginales Internet regulieren wollten. Heute richtet sich dieselbe Rhetorik  (vgl. das Techno-Optimist Manifesto von Marc Andreessen, 2023) gegen demokratische Kontrolle von Unternehmen, die nach globalen Monopolen streben.
Aus den Free Speech Activists wurde die Parole Free Speech. Erstere meinten das Bürgerrecht, gehört werden zu können – den Zugang zum öffentlichen Raum. Heute nutzen Tech-Oligarchen den Slogan Free Speech als Argument, um Regulierung durch ( demokratisch legitimierte) Staaten zu verhindern.

Geek-Kultur: Vom Außenseitertum zum globalen Resonanzraum

In Le Pouvoir des Geeks von Damien Leloup, Tech-Journalist bei Le Monde, geht es um den Aufstieg der Geek-Kultur von einer randständigen Subkultur zu einer prägenden Kraft, die mittlerweile in Führungspositionen von Politik und Wirtschaft angekommen ist.
Ursprünglich waren Nerds und Geeks³ eher das Gegenteil von cool. Ihr Habitus war nicht rebellisch, eher markiert durch soziale Ungeschicklichkeit, Regelbefolgung, einen Rückzug ins Technische oder Fiktionale.

Erst in der Tech-Kultur wurden Geeks cool, nicht trotz, sondern wegen dieser Eigenschaften. Geek-Kultur entwickelte sich als Habitus, der in den  Ecosystemen der Digitalwirtschaft – nicht nur im Silicon Valley, sondern weltweit – sein Habitat fand: intensive Beschäftigung mit Coding, Gaming und komplexen Systemen, eine hohe Toleranz gegenüber Unfertigem, experimentellen und spekulativen Entwürfen, eine starke Verbindung zu fiktiven Welten. Ein Habitus, der zu den Strukturen von Startups, Venture Capital und Plattformökonomie passt.
Geek-Kulturen werden so zum Labor technischer Innovationen. Was hier akzeptiert wird – etwa VR-Gadgets, neue Interfaces oder spekulative KI-Anwendungen – gilt als kulturell anschlussfähig. Aus Spielerei wird Möglichkeit, aus Exzentrik Marktwert. Dass Risikokapitalfirmen diese Kulturen aufmerksam beobachten, ist kein Zufall.

Leloup, der sich selber in der Geek-Kultur verankert sieht, versteht Geeks als eine Meta-Gemeinschaft, vereint durch Begeisterung für Technik, Fantasie, intellektuelle Neugier und Toleranz, sichtbar nach außen in einem typischen Style – Hoodie statt Anzug, Nerd-Chic, Symbolik aus Games und Fiktion – und zugleich getragen von einem Habitus, der Machtunterschiede verschleiert: Der Milliardär im Hoodie, wie etwa Marc Andreessen, ein Prototyp des Alpha-Geek inszeniert sich als Aussenseiter, obwohl er die Regeln des Spiels bestimmt.
Tech-Oligarchen wie Elon Musk, Peter Thiel, Alexander Karp stilisieren sich nicht als Kapitalisten, sondern als Sonderlinge mit Vision. Leloup beschreibt Musks Selbstinszenierung treffend als le petit face au grand, obwohl er der reichste Mensch der Welt ist.
Meta-Chef Marc Zuckerberg lässt sich nur bedingt einreihen, zwar ebenso in der Geek-Kultur verwurzelt, ist seine Haltung weitaus mehr von Opportunismus bestimmt. 

Tech-Oligarchen lassen sich nicht ohne die Geek-Kulturen verstehen, die ihre Persönlichkeiten, Werte, Ängste und Träume geformt haben. Leloup vermerkt, dass auch die Neue Rechte erkannt hat, dass diese Kulturen eine Machtbasis darstellen und dass bestimmte Elemente innerhalb dieser Gemeinschaften für politische Zwecke nutzbar sind.
Steve Bannon hat sich mehrfach explizit über zentrale Referenzen der Geek‑Culture definiert: Er bezeichnete sich selbst als Darth Vader und sprach davon, dass Trump von working class hobbits and deplorables gewählt worden sei.

Das bedeutet nicht, dass Geek-Kulturen einem bestimmten politischen Lager zuzuordnen ist. Sie bilden vielmehr einen kulturellen Referenzraum, der weit über einzelne Werke oder Franchises² hinausgeht. Es ist Geflecht aus technischen Praktiken (Coding, Gaming), ästhetischen Codes (Sci-Fi-Ästhetik, Nerd Chic, Hoodie statt Anzug) undsozialen Formationen (Fan-Communities, Conventions).
Dass Science Fiction, ebenso wie VR-Welten auf Begeisterung stossen ist naheliegend. Auffallend ist dagegen der ausgeprägten Bezug zu Großmythologien wie Der Herr der Ringe oder Star Wars. 
Zusammengenommen entsteht daraus ein sehr spezifisches kulturelles Kapital, das Sinn, Identität und Legitimation stiftet. Dass Firmen wie Palantir oder Mithril Capital ihre Namen direkt aus Tolkiens Mythologie entlehnen, ist ein Ausdruck dieses Referenzraums.

Mythen und Endzeit-Theorien

AGI als technologischer Mythos. Bild: Steve Johnson unsplash +

Diese Mythen liefern nicht nur ästhetische Motive, sondern auch Erzählungen von Macht, Ordnung, Ausnahme und Sendungsbewusstsein, die in der digitalen Elite anschlussfähig sind.  Star Wars und Herr der Ringe sind beides Grosserzählungen, die im 20.Jahrhundert konstruiert wurden- bombastisch, wabernd, überwältigend, Mythen der Macht. In ihrer Art und Wirkung erinnern sie an Wagner-Opern, die im 19. und 20. Jahrhundert die politische Imagination beeinflussten.

Die Macht der Tech-Oligarchie erwächst aus der ökonomischen Aneignung von technischem Fortschritt. Aber auch aus der kulturellen Aneignung von Zukunft. Der Begriff Futures Appropriation, übersetzbar als vereinnahmte Zukünfte, markiert den Anspruch, dass Tech, vermittelt durch Digitalkonzerne,  Zukunft gestaltet, die Lösung anstehender  Probleme sichert.
Bombastische Mythen aus dem  20. Jahrhunderts, angesiedelt in der fernen Vergangenheit und der fernen Zukunft – Tolkien, Star Wars – liefern  narrative Grundmuster: Auserwählte, dunkle Mächte, technische Artefakte mit der Kraft zur  Weltveränderung, finale Schlachten.
AGI –  Artificial General Intelligence fügt dieser Reihe einen neuen Eintrag hinzu: die denkende Maschine als ultimatives Artefakt. In ihr bündeln sich frühere Technikmythen, nun verdichtet zur Erzählung vom Endpunkt kognitiver Evolution. Ob realisierbar oder nicht, ihre kulturelle Wirkung ist bereits mythisch. Die Vertiefung bleibt einem eigenen Text vorbehalten.

Neo-Philosophien, die im Silicon Valley kursieren (oft unter dem Akronym TESCREAL zusammengefasst), liefern eine scheinbar rationale Übersetzung. Mythen und Theorien operieren mit denselben Strukturen: apokalyptischer Zeitlichkeit (der Bruch steht bevor), elitäre Auserwähltheit (wir sind die, die es verstehen), Weltveränderung durch Technologie (nicht durch demokratische Politik), Entwertung der Gegenwart zugunsten eines transzendenten Ziels.

Eine Gegenüberstellung der Neo-Philosophien, wie sie u.a. als Akzelerationismus (Geschichte als unaufhaltsamer Zwangslauf in Richtung technologischer Eskalation),  Solutionismus (Komplexe soziale Probleme werden auf technisch lösbare Aufgaben reduziert) oder Longtermismus (Legitimation gegenwärtiger Opfer zugunsten einer fernen, höheren Zukunft) in Umlauf sind, würde den Rahmen dieses Formats sprengen. es ist ein neues, eigenes Thema.
Was sie jedoch mit den beschriebenen Mythologien verbindet, ist ein gemeinsamer Effekt: die Erzeugung von Überwältigung. Es sind Narrative von solcher Totalität, dass Widerspruch nicht als Kritik erscheint, sondern als Unverständnis.

Warum interessiert uns diese Entwickung so sehr? 

Es ist unsere Zeitgeschichte, eine Ko-Evolution von digitaler Technik, gesellschaftlicher Entwicklung und populärer Kultur. Digitaler Fortschritt prägt seit fast 50 Jahren unsere Welt in immer neuen Schüben, erweiterte Möglichkeiten, eröffnete Lebensentwürfe, verschiebt Machtverhältnisse.
Die Digitalwirtschaft des Silicon Valley wuchs zu einer der mächtigsten ökonomischen Konzentrationen der Geschichte, heute hat sie imperiale Züge mit erkennbarem  Grössenwahn.
Computer versprachen unmittelbare Partizipation, individuelle Teilhabe sowie gänzlich neue Organisationsformen jenseits jeder Machtanhäufung (Nosthoff). Entstanden sind neue Organisationsformen mit Machtanhäufung. Die Struktur ist neu – Plattformen, Algorithmen, digitale Ecosysteme. Aber nicht als  demokratische  Traummaschine, sondern als Konzentration von Macht in oligarchischen Händen.
Das heißt nicht, Zukunft oligarchischen Unternehmen zu überlassen, sondern sie zu gestalten. Technik ist kein Naturgesetz, sondern sozialer Aushandlungsprozess (vgl. Dreher). Digitale Technik ist kein externer Faktor, sondern Teil langfristiger gesellschaftlicher Prozesse. Zukunft entsteht nicht durch technologische Überwältigung, sondern durch demokratische Aushandlung und Gestaltung.

 

David Golumbia: Cyberlibertarianism: The Right-Wing Politics of Digital Technology, 481 S. (Rezension – 27.01.2025)11/2024. Anna-Verena Nosthoff: ¹Die Geburt des Tech Kapitalismus aus dem Geist der Gegenkultur. Marc Dreher: Zwischen Code und Kultur. Das Silicon Valley alsMythos und Machtmaschine,  – beide in: agora 42. Das philosophische Wirtschaftsmagazin .01/2026 – Technik. Damien Leloup : Le Pouvoir des Geeks. Comment la contre-culture est devenue une arme politique. Les Arènes 01/2025 . Jannis Brühl: Disruption. Die Ideologie der Tech-Oligarchen und das Ende der Demokratie wie wir sie kennen.  01/2026 . ¹Annekathrin Kohout: Nerds – Eine Popkulturgeschichte., München 2022. 272 S. Embracing the Outliers: How Tech Geeks Reshape Modern Business and Cultural Landscapes.
²im Kontext der Geek Culture bedeutet Franchise ein erweitertes Medienuniversum, das aus einem ursprünglichen Werk (z. B. Film, Buch oder Spiel) hervorgeht und durch Lizenzen in zahlreiche Ableitungen expandiert.
³ Nerds und Geeks sind zwei unterschiedliche Ner- und Geek-Kultur unterscheiden sich vor allem in ihrer Ausprägung von Fachwissen, Sozialverhalten und Lebensstil. Nerds gelten oft als tief in einem Nischenthema versunkene Introvertierte, während Geeks diese Leidenschaft extrovertierter und sozialer ausleben.



Das politische Jahr 2025 und seine Bilder

Wie kommt man dazu, einen Jahresrückblick zu schreiben,  wenn gerade erst die Blätter gefallen sind?

Der Capo und die Oligarchen: America’s tech leaders can’t stop praising Donald Trump 

Das politische Jahr 2025 begann mit der 2. Trump-Wahl am 5. Nov. 2024, gleich am nächsten Abend liess die FDP die Ampel platzen.
Zwei Einschnitte an einem Tag, die seitdem mit der Zeitgeschichte des 21. Jahrhunderts verbunden sind.

Der Machtwechsel in den USA brachte einen Bruch in der Substanz und im Stil: Angriffe auf Institutionen, autoritäre Machtdemonstrationen, einen Abbau demokratischer Konventionen und Spielregeln,   Provokationen  gegen Verbündete.
In Lateinamerika nennt man es Autogolpe/Selbstputsch, wenn ein legal gewählter Politiker schrittweise die demokratischen Institutionen untergräbt.
Ein gewählter Amtsträger nutzt legale/semi-legale Mittel, um demokratische Checks and Balances auszuhebeln. Die Erosion demokratischer Institutionen erfolgt von innen.
Die USA haben ein anderes Gewicht.  Ihr Status als Weltmacht gründet sich – neben wirtschaftlicher und militärischer Dominanz – auf das kulturelle Modell einer liberalen Demokratie. Ihr Imperialismus war, bei aller Kritik daran, darin eingebunden. Auch der Aufbau der digitalen Kultur wurzelte in einem utopisch-emanzipatorischen Selbstverständnis.
Eine entscheidende Rolle im Richtungswechsel spielt Cyberlibertarismus,  eine Ideologie, in der techno-utopische mit marktradikalen Ideen zu einer Fundamental- Opposition gegen jede Form gesellschaftlicher Regulierung des Internet verwuchsen (vgl. Text).
Aus einem sendungsbewussten Selbstverständnis der City upon the Hill wird ein Imperialismus ohne zivilisatorische Mission.  Peter Thiel, einer der einflussreichsten BigTech Oligarchen, konstatierte:  Most importantly, I no longer believe that freedom and democracy are compatible.

Im Frühjahr hatte ich in einer ausführlichen Analyse die gegenseitige Überlagerung von  Rechtspopulismus und digitalem Kapitalismus, zwischen Maga und BigTech als ein Mash-Up bzw. eine Verklumpung dargestellt. Eine Analyse, die auch zum Jahresende weitgehend zutrifft.
Das Bündnis besteht über Einzelpersonen hinaus. Elon Musk nahm zu Beginn eine zentrale Stellung ein.  Der Konflikt zwischen Trump und Musk war absehbar, beide verkörpern narzisstische Machtansprüche, die gegeneinander kollidieren.

Flood the world with Shit -Der Präsident im Königskostüm nimmt den Slogan wörtlich

Die Einschnitte zeigen sich drastisch in Bildern, die um die Welt gingen. Entscheidend waren die von Trumps Inauguration, die eine Bündelung politischer, wirtschaftlicher und medialer Macht vor Augen führten. Tech-Oligarchen huldigten dem Präsidenten, als wären sie Höflinge eines neuen Königtums.
Ähnliche Bilder gab es nochmals Anfang September bei einem Dinner mit den versammelten Tech CEOs (s. Bild oben). Alle waren erschienen, auch Bill Gates, Tim Cook von Apple und Sam Altman von Open AI, denen man nicht unbedingt eine Nähe zum Trumpismus nachsagt. Ein skurriles Szenario: Die versammelten CEOs, die den mächtigsten Konzernen der Geschichte vorstehen, werden von Trump – der wie ein Capo der Mafia auftritt – herumdirigiert. Und sie können nicht aufhören, ihn zu preisen. So sieht ein Machtsystem aus (Link zum Video).
Dazu passt Trumps pompöse Stilwelt mit Gold und Marmor, die an Autokraten wie Putin und Erdogan erinnert.

Würdelos zeigte sich Trump in seiner Reaktion auf Proteste gegen ihn. Der Präsident der westlichen Führungsmacht generiert ein KI-Video, auf dem er mit Königskrone auf dem Kopf einen Jet steuert und sein Volk mit Exkrementen beschiesst! Der Slogan Flood the zone with shit wird wörtlich genommen. Ein markantes Beispiel von Dezivilisierung.
Es sind solche Bilder, die sich eingeprägt haben. Trump, der als scheidender Präsident den Sturm auf das Kapitol – das Monument der US-amerikanischen Demokratie – anfeuerte, wurde mit tatsächlicher Mehrheit zu ihrem obersten Repräsentanten gewählt.

Herrenrunde mit Portionsfläschchen und Konferenzgebäck

Ganz anders sind die Bilder aus Deutschland, denen jede pompöse Inszenierung fehlt – sieht man etwa vom Video-Auftritt  Elon Musks beim AfD- Parteitag ab.
Gerade in seiner piefigen Schlichtheit erregte ein Bild aus der Führungsriege der Union Aufsehen. Sechs Männer, keine Frau, an einem Konferenztisch, wie er tausendfach in Büroetagen steht. Portionsfläschchen, Konferenzgebäck, Mappen. Ein Selbstverständnis, das gar nicht inszeniert werden muss.
CDU und CSU haben diese Bundesrepublik geprägt – 52 Jahre Regierungszeit, Unterbrechungen gelten als Ausnahme. Ohne jeden Zweifel sehen sie sich als legitime Inhaber der Macht. So schlicht das Bild wirkt, führt dieser Politikwechsel zu einer Agenda, die v.a. das rückgängig machen will, was nicht in ihre Kontinuität passt. Man kann es  Gegenreformation oder Restauration nennen.
Träger dieser Politik ist in erster Linie der rechte Flügel der Union, eingezwängt zwischen einer erstarkenden AfD und  einem noch vorhandenen liberalen Flügel. Von der SPD ist kaum etwas zu bemerken. Betrachtet man die Lage genauer, erscheint das deutsche Parteiensystem instabiler denn je. 

Eine autoritäre Wende gibt es nicht, aber immer wieder Schwenks zu rechtspopulistischen  Positionen. Die verbalen Aggressionen richten sich gegen die Grünen und die mit ihnen verbundenen Programmpunkte, so sehr, dass Zusammenarbeit mit ihnen schwer vorstellbar wird. Simple Themen wie Gendern und vegane Produkte werden ideologisch aufgebauscht. Konzepte wie Nachhaltigkeit, Klimaschutz oder Tech-Ethik werden nicht explizit zu feindlicher Ideologie erklärt, aber grundsätzlich angegriffen.  Einfluss und Lobbyarbeit der fossilen Energiewirtschaft sind deutlich spürbar. Das Gesellschaftsverständnis ist eher das einer Standortgemeinschaft.
Auf europäischer Ebene kam es zu ersten Zusammenarbeiten mit Rechtsradikalen. 

Bildquelle: Sumaid pal Singh Unsplash+

KI ist 2025 weiterhin das dominierende Thema – wenn nicht noch mehr als in den Jahren 2023 und 2024.  Die spekulativen Phasen des Hype sind  allerdings vorüber. Die Diskussionen wurden konkreter. KI ist weniger Projektion als eine vielfach präsente und genutzte Technologie. An Chatbots in der Kundenkommunikation, Coding mit KI, Anwendungen im Gesundheitswesen, in  Bildung, Verkehr und Verwaltung hat man sich gewöhnt.
Verbreitet gibt es eine pragmatische Einstellung, eine abwägende Zustimmung. Die meisten Nutzer haben Erfahrungen gemacht, wann KI nützlich ist und ihre Möglichkeiten ausprobiert.  Die Perspektiven auf KI sind differenzierter geworden: breite Nutzung, mehr Anwendungen, aber auch scharfe Kritik.
Social Media haben das Konzept Öffentlichkeit verändert – von einer medial synchronisierten Realität zu parallelen Realitätsblasen. KI verändert wie wir Wissen produzieren und darauf zugreifen, – mit noch nicht absehbaren Folgen.

.Generative KI ist ein Konzentrat des öffentlich zugänglichen Internets – hauptsächlich text-basiert, überwiegend englischsprachig, westlich dominiert. Sie funktioniert durch Mustererkennung und die Rekombination trainierter Daten. KI steht heute für eine neue Stufe von Intermediarität – eine Vermittlungsinstanz zwischen den Teilnehmern der digitalen Informationssphäre. Ein qualitativ neuer Datenrohstoff entsteht: das Aggregat aus allem digital Verfügbaren. Texte, Bilder, Code verschmelzen zu einem statistischen Magma, aus dem KI neu synthetisiertes Wissen generiert – ohne Rückbezug auf Quellen, nur Rekombination von Mustern. Nicht nur sinnvolle Inhalte, sondern auch massenhaft produzierter Slop/ Müll

KI-Systeme haben sich das Wissen der Welt einverleibt

Grundsätzliche Kritik gibt es v. a. auf zwei Ebenen. Zum einen die Aneignung von Kultur und Wissen. Kreative Kulturproduzenten sprechen vom größten Diebstahl der Menschheitsgeschichte – und gemessen am Datenvolumen ist das nicht übertrieben. Generative KI hat sich das Wissen der Welt einverleibt: Texte, Bilder, Musik, Code – alles wird zu Trainingsdaten. Ohne zu fragen, ohne zu zahlen, ohne Urheber zu nennen. Aus diesem angeeigneten Material generieren LLMs neue Werke, die mit den Originalen konkurrieren. Illustratoren, Texter, Programmierer sehen ihre Arbeit entwertet. Im weiteren die Instrumentalisierung durch autoritäre Kräfte. Generative KI ist nicht neutral. Sie kann leicht von autoritären und faschistoiden Bewegungen vereinnahmt werden – und wird es bereits.

KI hat einen Börsen-Hype erzeugt, aber es wurde noch kein profitables Geschäftsmodell aufgebaut. Big-Tech-Konzerne haben in zwei Jahren über 500 Milliarden Dollar investiert, die Einnahmen liegen bei 35 Milliarden. Die Blase kann platzen – die Infrastruktur bleibt – aber in wessen Händen?

Seit November 2024 hat sich das politische Klima massiv nach rechts verschoben, global, in den USA, in Europa, in Deutschland. Trump folgt dem Muster illiberaler Autokraten wie Orbán oder Erdoğan. Demokratische Institutionen bestehen formal weiter, werden aber gezielt entkernt. Die USA haben aber stärkere institutionelle Schutzmechanismen,  Föderalismus, eine Rechtskultur, eine lebendige Zivilgesellschaft, entscheidend ist deren tatsächliche Widerstandsfähigkeit
Tech-Unternehmen verfolgen einen Imperialismus ohne Staat – eine  extraterritoriale Macht durch digitale Infrastruktur. Ihre Allianz mit autoritären politischen Kräften ist nicht zufällig, sie folgt gemeinsamen Interessen.
Die tatsächliche Widerstandsfähigkeit hängt von fragilen Faktoren ab: politischer Kultur, der Bereitschaft der Zivilgesellschaft zum Widerstand, der Unabhängigkeit der Justiz – und dem Willen, diese zu verteidigen.

vgl. die Blogbeiträge zu Cyberlibertarismus, Tech- Faschismus – Ein Mash-Up als Machtsystem , KI und Neuer Faschismus  und KI und der Wert von Kulturarbeit. — Nach Klick werden alle Bilder in voller Grösse auf einer neuen Seite angezeigt  



Empire of AI – Dreams and Nightmares in Sam Altman’s Open AI (Rez.)

extraktiver Kolonialismus

An diesem Buch kommt  nicht vorbei, wer sich ernsthaft mit der gesellschaftlichen Dimension von KI befasst.
Karen Haos Empire of AI erschien bereits vor drei Monaten. Spät dabei zu sein, bringt auch den Vorteil mit sich, dass man erste Reaktionen und Rezensionen in die eigene Besprechung einfließen lassen kann.
Empire of AI wurde nahezu durchgängig positiv hervorgehoben – als kritische, detailreiche Analyse der globalen KI-Industrie und ihrer imperialen Strukturen – hervorragend und gründlich recherchiert, mit kritischem Insiderwissen als Hintergrund.
Wer das Silicon Valley der 2020er Jahre, den KI-Boom und seine weltweiten Auswirkungen mit nur einem Buch verstehen möchte, sollte dieses lesen.

Karen Hao schreibt nicht von außen über die KI-Industrie. Empire of AI lässt sich als journalistische Ethnographie lesen. Teilnehmende Beobachtung ist der Rahmen. Persönliche Erlebnisse fließen ein, die Basis der Analysen sind aber über 300 Interviews, ergänzt durch Korrespondenzen und andere Dokumente.

Karen Hao war über Jahre hinweg Teil des Ecosystems in dem sich KI- Unternehmen entwickelten. Sie teilte Wohnungen mit Entwickler:innen, nahm an internen Treffen teil und führte Hintergrundgespräche mit Gründerfiguren wie Sam Altman.  I was the first journalist to profile OpenAI. I embedded within the company for three days in 2019 sagte sie in einem Interview.
Ihre Sichtweise changiert zwischen Beschreibung aus der Nähe und Analyse, diese Spannung macht den Wert ihrer Darstellung aus. Der Text bleibt dabei auf immerhin 482 Seiten gut lesbar.

Etwas überrascht hat mich, dass Karen Hao an keiner Stelle den Atlas of AI von Kate Crawford (2021) erwähnt. Beide Autorinnen benennen die extraktive Logik der KI, beide analysieren globale Machtasymmetrien und die Auslagerung von Datenarbeit als crowdworking, thematisieren eine  postkoloniale Ausbeutung, beide argumentieren kritisch gegenüber dem Silicon Valley.
Crawfords Buch ist eher akademisch, in den Critical Data Studies verankert. Hao geht es um investigative  Aufklärung. Beide Bücher ergänzen sich in ihrer Wirkung und  ihrer kritischen Perspektive .

Kaum eine Technik ist unschuldig – und KI ist es auch nicht. Zentrales Thema des Buches ist der Widerspruch zwischen dem Versprechen einer künstlichen allgemeinen Intelligenz, einer Technik, die der gesamten Menschheit zugute kommen sollte und der  messy, secretive reality behind OpenAI’s bid to save the world  -wie es die Autorin  bereits im Februar 2020 schrieb.

KI, wie generell digitale Techniken, wird meist als dematerialisiert wahrgenommen. Das mag in der Endausgabe so erscheinen. Letztlich beruht KI aber auf der Abschöpfung materieller, energetischer, kultureller und kognitiver Ressourcen:
Benötigte Ressourcen sind so breit gestreut wie seltene Erden und andere Mineralien, Energie, Wasser, ausgelagerte menschliche Arbeitskraft, kulturelle Produkte, digitalisiertes menschliches Wissen, die Datenfülle der Plattformen etc. – Ohne all diese Ressourcen gäbe es KI nicht.

OpenAI wurde mit dem Anspruch auf Transparenz gegründet. Im Vordergrund stand die Idee, eine künstliche Intelligenz zu entwickeln, die value for everyone rather than shareholders schafft – einen Nutzen der weltweit gerecht verteilt werden sollte, jenseits privatwirtschaftlicher Interessen.
In der OpenAI Charter, einer Art ethischem Leitbild bzw. selbstgegebener Verfassung, heisst es: To ensure that artificial general intelligence benefits all of humanity und weiter: We are committed to broad distribution of benefits and long-term safety, and to cooperative orientation with other research and policy institutions. 
Hao setzte dem schon 2020 eine Beschreibung der realen Logik entgegen: Nicht das ethische Leitbild treibt das Handeln an, sondern die Angst, den entscheidenden Innovationsschub zu verpassen.
The need to be first or perish
beschreibt die geltende Systemlogik, unter der das Unternehmen längst operiert. Das ursprüngliche Versprechen, eine künstliche Intelligenz zum Wohle aller zu entwickeln, steht heute im Spannungsverhältnis zu einem beschleunigten Innovationswettlauf, der sich durch die geopolitische Konstellationen verschärft: Die Entwicklung leistungsfähiger KI gilt zunehmend als strategischer Standortvorteil – technologisch, wirtschaftlich und militärisch. OpenAI bewegt sich in einem globalen Wettbewerb, in dem China als systemischer Rivale wahrgenommen wird.
Die Weiterentwicklung folgt in erster Linie der Logik des Venture Capitals, nicht der einer am Gemeinwohl orientierten Forschung. Hinzu kommt die enge Partnerschaft mit Microsoft die der ehemals gemeinnützigen Organisation eine neue Abhängigkeit schafft. Microsoft stellt nicht nur die notwendige Cloud-Infrastruktur bereit, sondern hat sich durch Milliarden-Investitionen direkten Zugang zu OpenAIs Technologien gesichert.

Die Idee einer Artificial General Intelligence  (AGI) – einer künstlichen Intelligenz, die den Menschen übertrifft oder gleichkommt – dient bei OpenAI als als strategisches Legitimationsnarrativ für gegenwärtige Entscheidungen  (vgl. Who is building a brain for the world?). 
OpenAI leitet aus der erwarteten Entwicklung von AGI den Anspruch ab, als vorausschauende Instanz zu handeln: to shape AGI before it shapes us. Damit erhebt das Unternehmen den Anspruch auf eine Mehrfachrolle als technischer Wegbereiter, ethischer Regulator und politischer Akteur.
AGI wird so zur Legitimationsfigur für weitreichende Entscheidungen – die Intransparenz bei GPT-4, die Einschränkung von Open Source oder die gezielte Bündelung von Ressourcen. Je größer die angenommene AGI-Gefahr, desto plausibler erscheint es, ihre Entwicklung wenigen, vermeintlich verantwortlichen Akteuren zu überlassen.
Ein Ziel, das bisher nicht erreicht wurde, verleiht dem Unternehmen bereits heute eine außerordentliche Stellung. Hao nennt es eine  quasi- religiöse Rhetorik – ich würde es als  tragenden Mythos bezeichnen.

Sam Altman, CEO von Open AI, wird  von Hao als ambivalente Schlüsselfigur beschrieben: als visionärer Kopf für eine transformative Technologie, zugleich geschickter Machtpolitiker – brillant, ideologisch flexibel, auf dem Grat zwischen Weltrettung  und dem Aufbau eines Imperiums.
Ein kennzeichnender Satz:   Every single person that has ever clashed with him about his vision of AI development has left.

KI-Unternehmen verschieben den Fokus digitaler Macht: Plattformen wie Amazon oder Facebook lieferten standardisierte Angebote und personalisierte Werbung. KI-Systeme hingegen erzeugen singularisierte Texte, Bilder oder Entscheidungen – oft in Echtzeit, oft einmalig. Diese Form automatisierter Einmaligkeit hebt sich deutlich von der Logik der klassischen Plattformökonomie ab (vgl. Automatisierte Singularisierung – KI und die Herstellung von Einmaligkeit)

Effektiver Altruismus (EA) bedeutet eine rational optimierte Philanthropie. Laut Hao durchlief EA eine bemerkenswerte Wandlung: von einer philosophischen Nischenbewegung zu einem dominanten Mainstream-Diskurs, mittlerweile hochgradig institutionalisiert und finanziell gut ausgestattet. EA dient als ethische Grundlage für die KI-Entwicklung und legitimiert dabei die Machtkonzentration bei wenigen Akteuren.
Insbesondere Anthropic (Betreiber von Claude Sonnet)  orientiert  sich an EA und hat sich mit Constitutional AI eine daran angelehnte Verfassung gegeben, die grundlegende normative Werte sicher stellen soll.
Karen Hao kritisiert aber auch die Praxis des Effektiven Altruismus als moralisierenden Vorwand für imperiale Praktiken, Ausbeutung und Machtkonzentration. Sie mahnt an, dass EA im Kontext der KI zu einer Legitimationsstrategie verkommen kann, die globale Ungleichheiten verstärkt, anstatt sie zu überwinden. Paradoxerweise kann EA durch seine Rationalisierung des Guten selbst zu einer Form technokratischer Herrschaft werden – was bei Kritikern auch so gesehen wird.

Karen Hao liefert keine Technikgeschichte und bedient keinen Fortschrittsnarrativ. Sie schreibt auch nicht über die Anwendungsmöglichkeiten in Medizin oder Klimaforschung. Ihr Interesse gilt unter welchen Voraussetzungen technische Potenziale entstehen – der Aufklärung über ihre Entstehungsbedingungen, Machtkonzentrationen und Versprechen. Ihre Frage ist nicht, was KI könnte – sondern was sie darf, wofür sie eingesetzt wird und wer darüber entscheidet.
Trotz ihrer demokratischen Gründungsnarrative bleiben die Innovationen der KI- Unternehmen in der Logik des Profits, der Kontrolle und der geopolitischen Interessen verhaftet – nicht anders, als man es bisher aus  der Tech Branche kennt. Die wenigen Unternehmen, die die leistungsfähigsten Modelle kontrollieren, haben massgeblichen Einfluss auf Diskurse, Bildung, Wissenschaft und gesellschaftliche Meinungsbildung. Sie entwickeln sich über multinationale Konzerne hinaus zu Imperien – so knüpft der Titel Empire of AI  an  frühere koloniale Imperien an. 

In einem Guest Essay der NewYork Times, kurz nach Erscheinen des Buches, formuliert die Autorin ihre aktuelle Sicht: Tech companies have long reaped the benefits of a friendly U.S. government, but the Trump administration has made clear that it will now grant new firepower to the industry’s ambitions. 
Das Streben nach KI bietet Unternehmen die Möglichkeit, mehr Daten als je zuvor abzusaugen, mit tiefgreifenden Auswirkungen auf die Privatsphäre und die Rechte des geistigen Eigentums der Menschen.

Die Diskussion zu KI hat sich in den letzten Monaten – entsprechend den politischen Ereignissen –  polarisiert bzw. verengt. Der Fortschrittsnarrativ verbindet sich immer stärker mit den imperialen Ambitionen von Big Tech, technologische Entwicklung wird als Grundlage globaler Machtarchitektur gesehen.
Auf der anderen Seite formiert sich eine scharfe Gegenbewegung, die in ihrer Fundamentalkritik oft luddistische und kulturpessimistische Züge annimmt. Begriffe wie Digitaler/ KI  Faschismus werden verwendet, die Technologie als solche diabolisiert.
Differenzierte Einschätzungen geraten in den Hintergrund. Dabei ist es gerade diese Haltung, die angesichts wachsender Alltagsnutzung – auch durch die Kritiker:innen selbst – Gestaltung ermöglicht.
Wer kontrolliert Technologie? Wie werden Nutzen und Risiken verteilt? Welche Gestaltungsmöglichkeiten haben wir (noch)?

 

Karen Hao: Empire of AI.:- Dreams and Nightmares in Sam Altman’s Open AI., New York 2025. : Silicon Valley Is at an Inflection Point. New York Time. 30.05.2025  – Karen Hao on How AI Colonialism Is Threatening the World.  . Democracy Now, 4.06.2025 – Inside the story that enraged OpenAi.MIT Technology Review. 19.05.2025.    The messy, secretive reality behind OpenAI’s bid to save the world. MIT Technology Review. 17.02.2020. Brian Merchant and Gail Brussel: Dismantling the Empire of AI with Karen Hao. Blood in the Machine.May 2025 Matteo Wang: The AI Industry Is Radicalizing. The tech industry and its critics occupy parallel universes. The Atlantic 12.07.25



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