{"id":89004,"date":"2026-08-06T19:43:25","date_gmt":"2026-08-06T17:43:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/?p=89004"},"modified":"2026-08-06T23:57:35","modified_gmt":"2026-08-06T21:57:35","slug":"ist-die-soziologie-zu-links-eine-irritierte-replik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/ist-die-soziologie-zu-links-eine-irritierte-replik\/","title":{"rendered":"Ist die Soziologie zu links?  Eine irritierte Replik"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_89063\" aria-describedby=\"caption-attachment-89063\" style=\"width: 323px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/zu-links.jpg?ssl=1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-89063\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/zu-links.jpg?resize=323%2C121&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"323\" height=\"121\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/zu-links.jpg?w=1414&amp;ssl=1 1414w, https:\/\/i0.wp.com\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/zu-links.jpg?resize=300%2C112&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/zu-links.jpg?resize=1024%2C384&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/zu-links.jpg?resize=768%2C288&amp;ssl=1 768w\" sizes=\"(max-width: 323px) 100vw, 323px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-89063\" class=\"wp-caption-text\">Eine Replik auf eine Schlagzeile<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ist die Soziologie zu links? Wo Soziologen und Soziologie-Studierendehinschauen, sehen sie in der Gesellschaft Ungleichheit. Und die halten viele von ihnen grunds\u00e4tzlich f\u00fcr schlecht<\/em>.\u00a0Unter diesem Titel ver\u00f6ffentlichte <em><strong>Die Zeit<\/strong><\/em> am 25.07. einen <em>Essay<\/em> von <strong><em>Armin Nassehi <\/em><\/strong>und<strong><em> Irmhild Saake<\/em><\/strong>, beide Professoren an der M\u00fcnchner LMU.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Titel und die prominente Platzierung haben mich irritiert &#8211; und die Irritation ist geblieben, als ich den Text gelesen hatte. Warum publiziert eine Wochenzeitung, die sich als ein Leitmedium versteht\u00a0 und ein \u00f6ffentlich sehr pr\u00e4senter Soziologieprofessor diese<span style=\"font-size: 1rem;\">\u00a0Schlagzeile?<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Text st\u00fctzt sich auf ein grobes Deutungsschema, seine empirische Grundlage ist schwach. Was als eine <em>aufsehenerregende Studie<\/em> vorgestellt wird, ist der massenhafte Abgleich von Abstracts mit den Ma\u00dfst\u00e4ben einer Skala, die sich auf KI-generierte Typisierungen\u00a0 st\u00fctzt.<br \/>\nWeiter gibt es ein diffuses, leicht herablassendes Missbehagen an den eigenen Studierenden, das sich anscheinend bei einer anderswo dokumentierten Langzeitstudie zu Fl\u00fcchtlingen herausgebildet hat: <em>Mit Gleichheitsversprechen kann man jungen Leuten, die die Welt verbessern wollen, etwas anbieten, was nicht so sehr nach akademischer Anstrengung aussieht<\/em>. Man hat so den Eindruck, dass den Autoren die Haltung der eigenen Studierenden \u00f6fters auf die Nerven geht.<\/p>\n<p><strong><em>Eine KI-Studie als Bezugsrahmen<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bezugsrahmen ist die Studie\u00a0 <a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1007\/s11186-026-09690-2\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>The ideological orientation of academic social science research 1960\u20132024<\/em><\/a> von <em>James Manzi<\/em>, ver\u00f6ffentlicht im M\u00e4rz dieses Jahres. Erkl\u00e4rtes Ziel dieser Studie ist es, eine langfristige <em>ideologische<\/em> Ausrichtung von Forschungsergebnissen in sozialwissenschaftlichen Disziplinen abzusch\u00e4tzen.<br \/>\nDatenbasis sind die auf der Plattform <a href=\"https:\/\/openalex.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Open Alex<\/em><\/a> zug\u00e4nglichen Abstracts sozialwissenschaftlicher Studien in englischer Sprache, exakt 599.194. Eine derart gigantische Masse an Material l\u00e4sst sich in vertretbarer Zeit nur maschinell\u00a0 (mit KI) verarbeiten.<br \/>\nDie Abstracts entstammen auch nicht allein der Soziologie, sondern aus insgesamt 11 Disziplinen: Anthropologie, Kommunikationswissenschaft, Kriminologie, \u00d6konomie, Ethnic Studies, Gender Studies, Politikwissenschaft, Psychologie, Public Administration, Public Health und Soziologie.<br \/>\nDie Breite spiegelt das speziell US-amerikanische F\u00e4cherspektrum, von denen <em>Ethnic<\/em> und <em>Gender Studies<\/em> per se mit identit\u00e4tspolitischen Fragestellungen verbunden sind, (Kultur-) Anthropologie spielt eine weit gr\u00f6ssere Rolle im F\u00e4cherkanon. \u00d6konomie und Psychologie sind auch in den USA eigenst\u00e4ndige Fakult\u00e4ten mit enormen gesellschaftlichen Einfluss.<\/p>\n<p><strong><em>Was hei\u00dft hier \u201elinks\u201c?\u00a0 &#8211; Progressiver Neoliberalismus\u00a0<\/em><\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_89035\" aria-describedby=\"caption-attachment-89035\" style=\"width: 180px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/SKlala-rechtsLinks.jpg?ssl=1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-89035\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/SKlala-rechtsLinks.jpg?resize=180%2C216&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"180\" height=\"216\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/SKlala-rechtsLinks.jpg?w=785&amp;ssl=1 785w, https:\/\/i0.wp.com\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/SKlala-rechtsLinks.jpg?resize=250%2C300&amp;ssl=1 250w, https:\/\/i0.wp.com\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/SKlala-rechtsLinks.jpg?resize=768%2C923&amp;ssl=1 768w\" sizes=\"(max-width: 180px) 100vw, 180px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-89035\" class=\"wp-caption-text\">Die von Manzi genutzte Skala von 0 (Far Right) bis 10 {Far Left) &#8211; erscheint nach Klick in voller Aufl\u00f6sung auf neuer Seite<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">In 180.311 der Abstracts wird von der KI eine N\u00e4he zu politischen Positionen gemessen. 90% ordnet sie <em>dem linken Spektrum zu<\/em>.\u00a0 <em style=\"font-size: 1rem;\">Links<\/em><span style=\"font-size: 1rem;\"> bedeutet hier <\/span><em style=\"font-size: 1rem;\">links<\/em><span style=\"font-size: 1rem;\"> auf einer Skala (0 =\u00a0 <\/span><em style=\"font-size: 1rem;\">Far Right<\/em><span style=\"font-size: 1rem;\">, 10 = <\/span><em style=\"font-size: 1rem;\">Far Left<\/em><span style=\"font-size: 1rem;\">), die von der KI\u00a0 anhand von aktuellen (aus dem Jahre 2025) Positionen im <\/span><em style=\"font-size: 1rem;\">U.S. political spectrum<\/em> (vgl. abb.) <span style=\"font-size: 1rem;\">&#8211; angelegt wurde &#8211; eine Messung von Ideologie auf dem Stand eines Jahres in dem der US-amerikanische Kulturkampf mit der Pr\u00e4sidentschaft Trump II einen neuen H\u00f6hepunkt erreicht hat.<br \/>\nEin Text von 1965 wird so an einer im Jahre 2025 fixierten <\/span><span style=\"font-size: 1rem;\">Skala als <em>ideologisch<\/em> gemessen.\u00a0 Rekonstruiert wird nicht, wie sich Autorinnen und Autoren historisch selbst verstanden h\u00e4tten, sondern wie ihre Texte auf dieser heutigen US\u2011Skala wirken w\u00fcrden. Blickt man zur\u00fcck, waren die 60er Jahre in den USA das entscheidende Jahrzehnt der B\u00fcrgerrechtsbewegung. Gemessen am angesetzten Ma\u00dfstab, war dies eine linke Bewegung.<br \/>\nNeben etwa <em>Racial Justice<\/em> und <em>Gender\/sexuality Research<\/em> hat, so Manzi, wohl auch <em>Forschung zum Klimawandel<\/em> zum wachsenden Umfang\u00a0 <em>links kodierter Inhalt<\/em>e beigetragen.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 1rem;\"><em>Links<\/em> im Sinne der Manzi-Studie meint fast ausschliesslich <em>links<\/em> in soziokulturellen, kaum in \u00f6konomischen Fragen. Die erfasste Orientierung l\u00e4sst sich daher eher dem Feld dessen zuordnen, was Nancy Fraser als <em>progressiven Neoliberalismus<\/em> beschrieben hat: eine Verbindung liberaler Hauptstr\u00f6mungen der neuen sozialen Bewegungen (<em>Feminismus, Antirassismus, Multikulturalismus, Umweltschutz, LGBTQ+-Rechte<\/em>)\u00a0 mit den dynamischsten Sektoren der US-Wirtschaft (Wall Street, Silicon Valley und Hollywood)\u00a0 verbindet ( vgl. <em>Nancy Fraser<\/em>, 2019). Ob sich etwa Silicon Valley heute, im Zeichen eines <em>Cyberlibertarismus<\/em>,\u00a0 noch als soziokulturell progressiv bezeichnen l\u00e4sst, ist mehr als zweifelhaft.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong><em>Soziologie und Gleichheit<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass das Fach Soziologie innerhalb des F\u00e4cherkanons in einer eher linken, sich\u00a0 <em>progressiv verstehenden<\/em> Tradition steht, entsprechende Studenten anzieht und sich dadurch neu rekrutiert, gilt als ein Allgemeinplatz. Entsprechendes l\u00e4sst sich in anderer Weise \u00fcber andere F\u00e4cher sagen. So interessieren sich angehende Juristen, neben den Berufsaussichten, eher f\u00fcr normative Ordnung, Institutionen und Recht; BWL-Studenten f\u00fcr Effizienz und Management.<br \/>\nSoziologie hat sich als Wissenschaft zu einer Zeit konstituiert, als gesellschaftliche Ordnung nicht mehr als (gott-) gegeben akzeptiert wurde.\u00a0 Soziale Ungleichheiten wurden als sozial erzeugt analysiert, in der Folge\u00a0 ihre Legitimation in Frage gestellt. Die Hinterfragung von Ungleichheit z\u00e4hlt seitdem zu den Kernkompetenzen des Faches.<br \/>\n<em>Gleichheit<\/em> ist keine normative Vorliebe der Soziologie, sie ist positives Verfassungsrecht, im deutschen Grundgesetz ebenso wie im 14. Verfassungszusatz der USA. Von einzelnen Gruppen musste sie oft erst in langen Auseinandersetzungen erk\u00e4mpft werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 1rem;\">Co- Autorin <\/span><em style=\"font-size: 1rem;\">Irmhild Saake<\/em><span style=\"font-size: 1rem;\"> hatte im Juni (2026) am Hanse-Wissenschaftskolleg in Delmenhorst einen Vortrag mit dem Titel \u00a0<\/span><em style=\"font-size: 1rem;\"><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ryWdfNHopUg&amp;t=2872s\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Halten wir Ungleichheit nicht mehr aus?<\/a> Warum gesellschaftliche Unterschiede (manchmal) wichtig sind <\/em>gehalten.<br \/>\nEine legitime Akzentuierung &#8211; Saake verweist auf funktionale und tempor\u00e4re Ungleichheiten, bzw. <em>Asymmetrien<\/em>, auf n\u00f6tige Hinterfragungen, thematisiert diskriminierende Formen, wendet sich aber gegen einen aktivistischen Jargon. <span style=\"font-size: 1rem;\">Ihre grunds\u00e4tzliche Kritik gilt einem geradezu reflexhaften Umgang mit Ungleichheit in der Soziologie. Die Thematisierung von Ungleichheit m\u00fcsse von der Schuldfrage gel\u00f6st werden.<br \/>\nWeniger folgen kann ich ihr etwa bei der Einstufung von Identit\u00e4t\/Selbstbeschreibung &#8211; zwar ist Identit\u00e4t eine Ungleichheit, aber nicht im Sinne einer Machtasymmetrie.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><em><strong>Wenn Lehrveranstaltungen scheitern<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der aktuelle Erfahrungshintergrund ist ein Seminar im Masterstudiengang, das an einer grunds\u00e4tzlich abwehrenden Haltung der Studierenden gegen\u00fcber einer funktionalen Sichtweise auf Ungleichheit scheiterte &#8211; <em>Wir kriegen sie einfach nicht dahin<\/em>. Die funktionale Sicht der Lehrenden trifft auf die normative der Lernenden.<br \/>\nEs sind nicht die inhaltlichen Positionen, die mich irritieren, sondern die durchgehende Zeichnung der eigenen Studenten als einer naiven und ideologisch verblendeten Kohorte<em> &#8211; <\/em>sie <em>verallgemeinern gerne<\/em>, beliebtes Thema seien etwa Human-Animal Studies, <em>ehe man sich versieht, reden sie nur noch dar\u00fcber<\/em>. In der <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ryWdfNHopUg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Aufzeichnung<\/em><\/a> l\u00e4sst es sich nachverfolgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 1rem;\">In den Kommentaren zum Vortrag finden sich dann Aussagen, die daran anschliessend,\u00a0 g\u00e4ngige Narrative bedienen: <\/span><em style=\"font-size: 1rem;\"><em><span style=\"font-size: 1rem;\">Im Kern geht es doch darum, dass in den Sozialwissenschaften und im Journalismus Aktivisten t\u00e4tig sind, die junge Menschen mit Pseudowissenschaft und Propaganda in einem Ma\u00df indoktrinieren, dass diese f\u00fcr &#8216;echtes&#8217; soziologisches Wissen, Denken und Arbeiten teils \u00fcberhaupt nicht und teils nur sehr schwer erreichbar sind. <\/span><\/em><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lehrveranstaltungen k\u00f6nnen scheitern. Lehrende mit <em>Venia Legendi<\/em> und Lernende im Hauptstudium sollten in der Lage sein, die Gr\u00fcnde daf\u00fcr intern zu kl\u00e4ren. Nassehi und Saake sprechen als Insider mit Deutungshoheit \u00fcber das eigene Fach \u2013 und nutzen genau diese herausgehobene Stellung, die sie darin einnehmen, f\u00fcr eine \u00f6ffentliche Diagnose.<br \/>\nNeben der methodisch fragw\u00fcrdigen <em>Manzi-Studie<\/em> dient die Erfahrung mit den eigenen Studenten als (diffuser) zweiter empirischer Anker f\u00fcr die Schlagzeile. Die schmale empirische Basis tr\u00e4gt die provokante These der ZEIT-Schlagzeile nicht. Sie lieferte eher einen Anlass, ein offenbar l\u00e4nger gehegtes Ressentiment \u00f6ffentlich wirksam zu pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p><em><strong>Die funktionale Perspektive<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Worum es Nassehi und Saake im Kern geht, ist eine funktionale, gegen\u00fcber normativen Gleichheitsurteilen distanzierte Sicht auf Gesellschaft &#8211; eine systemtheoretisch gepr\u00e4gte Perspektive, die an den Funktionalismus von <em>Talcott Parsons<\/em> anschlie\u00dft und bei <em>Niklas Luhmann <\/em>ihre heute dominierende Ausarbeitung gefunden hat. Gesellschaft erscheint dann weniger als ein einheitliches politisches Handlungsfeld denn als Zusammenhang verschiedener Funktionssysteme, die nach je eigenen Kriterien operieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In ihrer <a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1007\/s11577-024-00965-z#citeas\"><em>Rezension<\/em><\/a> zu <em><a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1007\/s11577-024-00965-z#citeas\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Triggerpunkte<\/a><\/em> von <em>Steffen Mau et al. <\/em>formulieren <em>Nassehi<\/em> und <em>Saake<\/em> einen \u00e4hnlichen Gedanken: Die Soziologie d\u00fcrfe sich nicht darauf beschr\u00e4nken, im Streit um ungleiche Positionen die Rolle einer normativen Anw\u00e4ltin zu \u00fcbernehmen. Sie m\u00fcsse auch untersuchen, nach welchen unterschiedlichen Kriterien gesellschaftliche Bereiche ihre Entscheidungen treffen.\u00a0 Das ist in systemtheoretischer Perspektive legitim \u2013 problematisch wird es erst dort, wo dieser Ansatz zum einzig g\u00fcltigen Ma\u00dfstab erhoben wird.<\/p>\n<p><em><strong>Machtasymmetrien und gesellschaftliche Gestaltbarkeit<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Funktionale oder tempor\u00e4re Asymmetrien geh\u00f6ren zur gesellschaftlichen Wirklichkeit, die immer wieder neu entsteht. Gesellschaftliche Umbr\u00fcche produzieren laufend Gewinner und Verlierer &#8211; was\u00a0 Fragen zur Gleichheit immer wieder aktuell werden l\u00e4sst. Die Systemtheorie sieht hier Funktionslogiken, die Moralkritik schafft eine Perspektive der Schul, von T\u00e4tern und Opfern.<br \/>\nSelber spreche ich lieber von\u00a0 <em>Machtasymmetrien<\/em> bzw. <em>Machtbalancen<\/em>. Macht ist relational, keine eindeutig vergebene Position, sondern ein dynamisches Beziehungsgef\u00fcge. Dieser Perspektivwechsel \u00f6ffnet die Soziologie zu einem Blick auf die Dynamik von\u00a0 Konflikten und ihre gesellschaftliche Gestaltbarkeit. Wer ungleich behandelt wird, ist nicht in einer passiven Opferrolle gefangen, sondern Teil eines ver\u00e4nderbaren Beziehungsgef\u00fcges.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ist die Soziologie zu links? &#8211; <\/em>Warum h\u00e4lt die ZEIT gerade jetzt diese Frage f\u00fcr publizistisch relevant? Co-Chefredakteur <em>Jochen Wegner<\/em> meinte beim Medien Camp vor Nachwuchsjournalisten &#8211; <em>Wer Christian Lindner schon mal gut fand, ist f\u00fcr uns eine interessante Person<\/em>.\u00a0 Die ZEIT habe hundert Leute, die in Kommentaren progressive Positionen vertreten k\u00f6nnen. <em>Knapp seien aber etwa 25-J\u00e4hrige, die Friedrich Merz verteidigen.<\/em> <span style=\"font-size: small; line-height: 2px;\">(vgl.<a href=\"https:\/\/www.newsroom.de\/news\/aktuelle-meldungen\/vermischtes-3\/zeit-chefredakteur-suchen-haenderingend-konservative-junge-leute-978083\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Newsroom.de<\/a>, 27.04.2026)<\/span><\/p>\n<p>Es bleibt ein Verweis auf eine andere Replik zu demselben <a href=\"https:\/\/blog.soziologie.de\/2026\/08\/soziologie-und-oeffentlichkeit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Text im <em>Blog der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Soziologie<\/em><\/a> von <em>Stephan Lorenz<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: small; line-height: 2px;\"><strong>Armin Nassehi<\/strong> &amp; <strong>Irmhild Saake<\/strong>: <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/feuilleton\/2026-07\/soziologie-wissenschaft-oxford-studie\/komplettansicht#cid-82471228\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ist die Soziologie zu links?<\/a><\/span><span style=\"font-size: small;\">\u00a0 Die ZEIT 25.07.2026\u00a0 -.<a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1007\/s11577-024-00965-z#citeas\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00dcber und unter der Oberfl\u00e4che\u00a0<\/a> -(Rez.:zu Triggerpunkte) &#8211;\u00a0 <strong>Irmhild Saake<\/strong>: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ryWdfNHopUg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Halten wir Ungleichheit nicht mehr aus?<\/a>\u00a0 15.06.2026 youtube <strong>Sighart Neckel:<\/strong>\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/karriere-hochschule\/hoersaal\/ist-die-sozialwissenschaft-zu-links-gastbeitrag-von-sighard-neckel-accg-200981088.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Warum linke Einstellungen die Sozialwissenschaft nicht gef\u00e4hrden<\/a>. FAZ . 9.07.2026. <strong>Jannis Koltermann<\/strong>: <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/karriere-hochschule\/hoersaal\/neue-studie-die-sozialwissenschaft-tickt-links-das-ist-ein-problem-accg-200854322.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Sozialwissenschaft tickt links \u2013 das ist ein Problem<\/a> FAZ 28.05.2026.\u00a0 <strong>James Manzi<\/strong>: <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1007\/s11186-026-09690-2\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">The ideological orientation of academic social science research 1960\u20132024. <\/a><i>Theory &amp;\u00a0 Society <\/i>55, 25 (2026).\u00a0 <strong>Nancy Fraser:<\/strong> ,The Old Is Dying and the New Cannot Be Born Verso Books, 2019\u00a0 &#8212; <strong>Stephan Lorenz<\/strong>: <a href=\"https:\/\/blog.soziologie.de\/2026\/08\/soziologie-und-oeffentlichkeit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Anmerkungen zum Beitrag \u201eIst die Soziologie zu links?<\/a>\u201c von Armin Nassehi und Irmhild Saake.\u00a0 SozBlog &#8211; Blog der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Soziologie (DGS) 3.08.2026<\/span><\/p>\n<p><!-- Matomo --><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\">\n  var _paq = window._paq || [];\n  \/* tracker methods like \"setCustomDimension\" should be called before \"trackPageView\" *\/\n  _paq.push(['trackPageView']);\n  _paq.push(['enableLinkTracking']);\n  (function() {\n    var u=\"\/\/www.klaus-janowitz.de\/piwik\/\";\n    _paq.push(['setTrackerUrl', u+'matomo.php']);\n    _paq.push(['setSiteId', '1']);\n    var d=document, g=d.createElement('script'), s=d.getElementsByTagName('script')[0];\n    g.type='text\/javascript'; g.async=true; g.defer=true; g.src=u+'matomo.js'; s.parentNode.insertBefore(g,s);\n  })();\n<\/script><br \/>\n<!-- End Matomo Code --><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ist die Soziologie zu links? Wo Soziologen und Soziologie-Studierendehinschauen, sehen sie in der Gesellschaft Ungleichheit. Und die halten viele von ihnen grunds\u00e4tzlich f\u00fcr schlecht.\u00a0Unter diesem Titel ver\u00f6ffentlichte Die Zeit am 25.07. einen Essay von Armin Nassehi und Irmhild Saake, beide Professoren an der M\u00fcnchner LMU. Titel und die prominente Platzierung haben mich irritiert &#8211; und &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/ist-die-soziologie-zu-links-eine-irritierte-replik\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eIst die Soziologie zu links?  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