{"id":10384,"date":"2017-11-15T11:06:28","date_gmt":"2017-11-15T10:06:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/?page_id=10384"},"modified":"2020-02-04T17:40:43","modified_gmt":"2020-02-04T16:40:43","slug":"gesellschaft-der-singularitaeten-rezension","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/gesellschaft-der-singularitaeten-rezension\/","title":{"rendered":"Gesellschaft der Singularit\u00e4ten (Rezension)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Gesellschaft_der_Singularitaeten.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-10385\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Gesellschaft_der_Singularitaeten-181x300.jpg?resize=250%2C415\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"415\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Gesellschaft_der_Singularitaeten.jpg?resize=181%2C300&amp;ssl=1 181w, https:\/\/i0.wp.com\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Gesellschaft_der_Singularitaeten.jpg?w=301&amp;ssl=1 301w\" sizes=\"(max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a>15\/11\/17\u00a0<a style=\"color: #743399;\" href=\"http:\/\/www.klaus-janowitz.de\/\">kmjan<\/a><br \/>\nSoziologische Monographien der letzten Jahrzehnte\u00a0 erschienen bezeichnenderweise immer wieder unter Titeln, die von\u00a0einem einzelnen Begriff aus das Gef\u00fcge sp\u00e4tmoderner Gesellschaften aufrollen:\u00a0<em>Risiko-,\u00a0<\/em><em>Erlebnis-, Multioptions-, Abstiegs- <\/em>gesellschaft,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/resonanz-eine-soziologie-der-weltbeziehung-rez\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Resonanz<\/em><\/a> als Weltbeziehung etc. &#8211; bei Andreas Reckwitz geht es nun um <em>Singularit\u00e4ten<\/em> als solche. Mit einigen Abstrichen befassen sich alle diese Titel mit Erscheinungen des \u00dcbergangs von der klassischen\u00a0 Industriegesellschaft zur <em>Sp\u00e4tmoderne, <\/em>bei<em> Ulrich Beck <\/em>(Risikogesellschaft)<em>\u00a0<\/em>z. B.<em> Erste <\/em>und<em> Zweite Moderne <\/em>genannt<em>.\u00a0<strong>Reckwitz&#8217;\u00a0<\/strong>\u00a0<\/em>Thema ist die <em>kulturelle Transformation<\/em> von der industriellen Moderne zur Sp\u00e4tmoderne.\u00a0Vorausgegangen war \u201e<em>Die Erfindung der Kreativit\u00e4t. Zum Prozess gesellschaftlicher \u00c4sthetisierung<\/em>\u201c (2013).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kernthese des jetzt (10\/2017) erschienenen Buches ist ein Bedeutungsverlust <em>des Allgemeinen (<\/em>d.h. auch des<em> Konformen <\/em>und<em> Konventionellen)<\/em>\u00a0gegen\u00fcber <em>dem Besonderen<\/em>. An die Stelle\u00a0<em>normbildender Gleichheit, <\/em>die sich vielf\u00e4ltig niedergeschlagen hatte, so &#8220;<em>in Volksparteien, im keynesianischen Steuerungs- und Wohlfahrtsstaat, in Massenmedien und Fernsehkultur<\/em>&#8221; <span style=\"font-size: small; line-height: 2px;\">(Die Zeit, 4.10.17)<\/span>, ist das Ideal des <em>sich selbst entfaltenden Individuums<\/em>, ein expressives Selbst, das nicht nur einfach den Konventionen folgt, getreten. Tr\u00e4ger ist die mit der Bildungsexpansion gewachsene akademisch gebildete\u00a0<em>Neue Mittelschicht <\/em>mit dem Anspruch an ein\u00a0<strong><em>gutes Leben.<\/em><\/strong>\u00a0Kennzeichnend sind die Suche nach <em>authentischen<\/em> Erfahrungen in Beruf, Privatleben und Freizeit und einem \u00e4sthetischen und ethischen Anspruch an das eigene Leben.<\/p>\n<figure id=\"attachment_7785\" aria-describedby=\"caption-attachment-7785\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/IMG_3688.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7785\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/IMG_3688-300x300.jpg?resize=280%2C280\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"280\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/IMG_3688.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/IMG_3688.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/IMG_3688.jpg?resize=768%2C768&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/IMG_3688.jpg?resize=1024%2C1024&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/IMG_3688.jpg?w=1280&amp;ssl=1 1280w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-7785\" class=\"wp-caption-text\">Singularit\u00e4tsmarkt CraftBeer<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Singularisierung<\/em>\u00a0ist mit<em>\u00a0Kulturalisierung <\/em>verbunden, d.h. G\u00fcter und Dienstleistungen werden mit Wert bedacht &#8211; <em>valorisiert<\/em>, erhalten eine narrativ- hermeneutische Dimension. Am augenf\u00e4lligsten sind <em>Singularisierungen<\/em> in Lebensstil und Konsum. So beim <em>Essen &#8211;\u00a0<\/em>ein <em>Connaisseur<\/em>tum wird nicht nur beim Wein gepflegt. Genu\u00df- und andere Lebensmittel wie\u00a0<em>Craft<\/em>Bier, Kaffee, <a href=\"http:\/\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/kleine-netnographie-der-schokolade\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Schokolade<\/a>,\u00a0<em>Beef, Ethnic Food\u00a0<\/em>etc. bieten Gelegenheit dazu. Bausteine eines singularistischen Lebensstils finden sich in den meisten Lebensbereichen: Wohnen, Reisen, Mode, in allen Sparten von Kultur und Sport, im gesellschaftlichen Engagement &#8211; und im Verh\u00e4ltnis zum eigenen K\u00f6rper. Der Kulturbegriff ist l\u00e4ngst so weitgefasst, dass er alle Formen von Hoch- und Popularkultur genauso umfasst, wie Alltags<em>kulturen<\/em>\u00a0jeglicher Herkunft aus Gegenwart und Vergangenheit. Der Bogen reicht von <em>Pal\u00e4o- Di\u00e4t<\/em>\u00a0 zu Industriekultur, Fu\u00dfball- und Games- bis etwa zur\u00a0<em>Sneakerkultur,<\/em>\u00a0entscheidend ist der Anschlu\u00df an Narrationen.\u00a0<a href=\"http:\/\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/handwerkliches-essen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Handwerkliche Herstellung,<\/a>\u00a0Manufakturwaren erleben ein Revival. Im\u00a0<em>Kulturkapitalismus<\/em>\u00a0wird die Singularit\u00e4t eines Gutes zu dessen Kapital (172).<\/p>\n<figure id=\"attachment_2919\" aria-describedby=\"caption-attachment-2919\" style=\"width: 250px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Schattendiskussion.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2919\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Schattendiskussion-300x238.jpg?resize=250%2C199\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Schattendiskussion.jpg?resize=300%2C238&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Schattendiskussion.jpg?w=800&amp;ssl=1 800w\" sizes=\"(max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2919\" class=\"wp-caption-text\">Singularisierte Arbeit im Projektteam Bild: time. \/ photocase.de<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der postindustriellen (<em>= sp\u00e4tmodernen<\/em>) Gesellschaft transformiert sich die Arbeitswelt. In <em>innovationsgetriebenen<\/em> Branchen (<em>Wissens- u. Kultur\u00f6konomie,\u00a0<\/em><em>Digitales<\/em>)\u00a0treten\u00a0Projektstrukturen und Netzwerke an die Stelle der hierarchisch- arbeitsteiligen Matrix. Dieser Arbeitsmarkt fordert ein m\u00f6glichst einzigartiges Profil von <em>Kompetenzen<\/em> und <em>Potentialen <\/em>(182)<i>\u00a0&#8211; <\/i>und deren Umsetzung in einer angemessenen\u00a0<i>Performance. <em>Intrinsische Motivation<\/em> <\/i>wird erwartet.\u00a0Der Mitarbeiter\/Selbstunternehmer hat best\u00e4ndig an seiner Arbeitsmarktf\u00e4higkeit\/<em>Employability<\/em>\u00a0zu arbeiten.\u00a0Markterfolg ist abh\u00e4ngig von seiner Performance mit einer in sich stimmigen Besonderheit &#8211; erstrebenswert ist eine gelungene\u00a0<em>Balance zwischen Konzentration und L\u00e4ssigkeit <\/em>im Auftritt<em>.\u00a0<\/em><strong><em>HR Management<\/em><\/strong>\u00a0kommt die Identifizierung und F\u00f6rderung von Besonderheiten zu. Nebendem bestehen routinisierte und zunehmend automatisierte &#8211; profane &#8211; \u00a0Arbeiten weiter: \u00a0&#8220;<em>Die Arbeit ist profan, wenn der Arbeitnehmer austauschbar ist (und sich selbst auch so wahrnimmt), und sie ist singul\u00e4r, wenn das nicht der Fall ist<\/em>&#8221; (185).\u00a0<em>Lovely Jobs<\/em> und <em>Lousy Jobs<\/em>\u00a0liegen oft nahe beieinander.<\/p>\n<figure id=\"attachment_10598\" aria-describedby=\"caption-attachment-10598\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/IMG_2579.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-10598\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/IMG_2579-300x225.jpg?resize=300%2C225\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/IMG_2579.jpg?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/IMG_2579.jpg?resize=768%2C576&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/IMG_2579.jpg?resize=1024%2C768&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/IMG_2579.jpg?resize=1200%2C900&amp;ssl=1 1200w, https:\/\/i0.wp.com\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/IMG_2579.jpg?w=1575&amp;ssl=1 1575w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-10598\" class=\"wp-caption-text\">Von der industriellen Moderne zur Kreativ- und Wissens\u00f6konomie in der Sp\u00e4tmoderne<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Inwieweit wird &#8220;<strong><em>Die Gesellschaft der Singularit\u00e4ten<\/em><\/strong>&#8221; dem Anspruch als <strong><em>Zeitdiagnose\u00a0<\/em><\/strong>gerecht?\u00a0Die Erosion der industriellen Logik, Individualisierung, der Abschied von einer Gesellschaft der Normarbeitsverh\u00e4ltnisse mit arbeitsrechtlichen und sozialstaatlichen Absicherungen, Konvergenzen von Neoliberalismus und Gegenkultur,\u00a0die \u201e<em>Creative Economy<\/em>\u201c sind seit einigen Dekaden Thema.<br \/>\nReckwitz bezieht sich immer wieder auf letztere,<strong><em>\u00a0<\/em><\/strong>erweitert als\u00a0<em><strong>experience economy,<\/strong><\/em>\u00a0als der treibenden Kraft der postindustriellen Wirtschaft. Neben der Kreativ- und Wissens\u00f6konomie (incl. der Digitalwirtschaft) im engeren Sinne fallen Sport, Tourismus, Entertainment, Gastronomie etc., auch Teile von Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion, Gesundheitswirtschaft, das Umfeld von Beratern, Start-Ups, Influencern, Solopreneuren aller Art, darunter &#8211; soweit sie der Logik der kulturellen Singularit\u00e4tsg\u00fcter entsprechen: Authenzit\u00e4tsanspruch, Erlebnisqualit\u00e4t, ma\u00dfgeschneiderte Produkte und Probleml\u00f6sungen. <i>Kulturkapitalismus<\/i>\u00a0bzw. <em>Kultur\u00f6konomisierung <\/em>hat hier seinen Ursprung. Akteure und Unternehmen entstammen oft lokalen oder subkulturellen\u00a0 <em>Inkubations<\/em>zentren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Konzept der <strong><em>Singularit\u00e4ten<\/em><\/strong> f\u00fcgen sich ganz unterschiedliche Ph\u00e4nomene der Sp\u00e4tmoderne zusammen: in Lebensstil und Konsum, auf den M\u00e4rkten und dem Arbeitsmarkt, in der Erziehung und im Wettbewerb. Auf der individuellen Ebene z.B., wenn die eigene Arbeit und die eigene Performance best\u00e4ndig valorisiert und abgeglichen werden. Konzepte wie <em><strong>New Work<\/strong><\/em> oder <strong><em>Storytelling<\/em><\/strong> erscheinen neu beleuchtet. Ein sch\u00f6ner Satz: <em>Im Modus der Singularit\u00e4t wird das Leben nicht einfach gelebt, sondern kuratiert<\/em>(9). Gesellschaftliche Prozesse, die seit einigen Jahrzehnten stattfinden, \u00a0verst\u00e4rken und beschleunigen sich mit der Digitalisierung (vgl. <a href=\"http:\/\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/kultur-der-digitalitaet-rez\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Kultur der Digitalit\u00e4t<\/em><\/a> von F. Stalder).<br \/>\nRecknitz stellt die einzelnen Felder \u00e4u\u00dferst detailreich dar, manchmal erscheinen seine Ausf\u00fchrungen etwas \u00fcberakzentuiert.\u00a0 Ein Buch das Zeit braucht, immerhin knapp 500 Seiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weniger folgen kann ich ihm dort, wo er von einer <em>Neuen Klassengesellschaft<\/em> spricht <span style=\"font-size: small; line-height: 2px;\">(FAZaS, 22.10.17),<\/span>\u00a0zumindest in der Form, in der die\u00a0<em>Neue Mittelklasse<\/em>\u00a0einer <em>Alten Mittelklasse<\/em> und einer <em>Neuen Unterschicht<\/em> gegen\u00fcbersteht &#8211; und er dazu die (kleine) verm\u00f6gende <em>Oberschicht<\/em> der <em>Neuen Mittelklasse<\/em> zuschl\u00e4gt. Recknitz stuft den Anteil der\u00a0<em>Neuen Mittelklasse\u00a0<\/em>auf ca. 1\/3 der Bev\u00f6lkerung\u00a0 ein &#8211;\u00a0 in Anlehnung an vier der\u00a0<a href=\"http:\/\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/digitale-milieus\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Sinus- Milieus<\/a>. K<em>ulturelle<\/em> Bruchlinien sind wohl zu erkennen, doch sind Gemeinsamkeiten zun\u00e4chst<i>\u00a0<\/i>begrenzt: kulturelles Kapital, ein Ideal der Selbstverwirklichung, Zugang zu den \u00f6ffentlichen Diskursen, eine mehr oder minder expressive Performance. Das Risiko der <a href=\"http:\/\/www.klaus-janowitz.de\/pdf\/Prekarisierung.pdf\">Prekarit\u00e4t<\/a>, des <em>Sich-Durchwurschtelns<\/em> (<em>Muddling through<\/em>) trifft nicht nur eine Unterklasse.\u00a0<em>New Work\u00a0<\/em>schafft Macht in Unternehmen und Organisation nicht ab. Auch die Creative Economy ist zumindest <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/books\/2017\/sep\/26\/richard-florida-new-urban-crisis-review-flawed-elitist-ideas\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">entzaubert<\/a>. Reale Machtunterschiede treten immer wieder hervor, so etwa auf dem Immobilienmarkt.<br \/>\nGelegentlich wird von einem Auseinanderfallen, gar einer Atomisierung der Gesellschaft gesprochen. F\u00fcr die gro\u00dfen normsetzenden Organisationen und Milieus mag das gelten &#8211; und Reckwitz spricht beinahe nostalgisch vom Verschwinden der <em>sozial angepassten Pers\u00f6nlichkeit<\/em> (9), des klassischen <em>Kleinen Mannes<\/em>. Was sich ver\u00e4ndert hat, ist die <strong>Figuration<\/strong> von <a href=\"http:\/\/www.klaus-janowitz.de\/wordpress\/gemeinschaft-und-gesellschaft-im-digitalen-wandel\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Vergemeinschaftung<\/a> und Vergesellschaftung. Charakteristisch sind z.B. interessenbestimmte Neogemeinschaften und sich immer wieder neu nach jeweils <em>singul\u00e4ren<\/em> Merkmalen zusammenf\u00fcgende Teil\u00f6ffentlichkeiten. Und wer danach fragt: Es wird auch weiterhin Raum f\u00fcr ein <i>sozial\u00a0angepasstes Leben <\/i>geben.<br \/>\nEs hat den Anschein, dass die Forderungen der sog. <em>K\u00fcnstlerkritik,<\/em> die sich gegen <em>Entfremdung <\/em>im<em>\u00a0<\/em>fordistischen Kapitalismus richtete &#8211; Freiheit, Autonomie, Sinn, Authentizit\u00e4t und auch Spa\u00df einforderte &#8211; zumindest partiell zu einem Leitbild wurden.\u00a0Kein <em>entfremdeter<\/em> Konsum und keine <em>entfremdete<\/em> Arbeit, sondern <em>kuratierter<\/em> Konsum und <em>kuratierte<\/em> Arbeit. Demgegen\u00fcber steht die\u00a0<em>Sozialkritik<\/em>, die Solidarit\u00e4t, Sicherheit und Gleichheit einfordert.<br \/>\nMerken sollte man sich einige Begriffe und Konzepte: die <strong><em>Valorisierung<\/em><\/strong> kultureller Praxis im weitesten Sinne. <em><strong>Valorisierung<\/strong><\/em> bedeutet zun\u00e4chst eine Wertzumessung \u00e4sthetischer, ethischer oder k\u00f6rperlich erfahrbarer Art (Einbindung in eine Narration\/<em>Storytelling<\/em> z\u00e4hlt dazu), schlie\u00dft eine kommerzielle Verwertung aber nicht aus. Man kennt es aus der Markenbildung, von Stadtmarketing, Eventgastronomie etc.<br \/>\nEbenso\u00a0<em><strong>Serielle Singularit\u00e4ten<\/strong><\/em>\u00a0(135) &#8211; dieser Begriff kommt bei Reckwitz zwar nur am Rande vor, trifft aber die algorithmisch geschaffenen Singularit\u00e4ten. Im Plural werden Singularit\u00e4ten nicht zu Masseng\u00fctern &#8211; sondern zu personalisierten <em><strong>seriellen Singularit\u00e4te<\/strong><\/em>n.<\/p>\n<p>Politische Planungs- und Steuerungsphantasien, wie sie noch die industrielle Moderne pr\u00e4gten, prallen an der Gesellschaft der Singularit\u00e4ten ab (442), Politik wird immer \u00f6fter zur Moderation.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: small; line-height: 2px;\"><strong>Andreas Reckwitz<\/strong>: Die Gesellschaft der Singularit\u00e4ten. Zum Strukturwandel der Moderne. Berlin, Oktober 2017, 480 S. ISBN: 978-3-<em>518-58706-5<\/em>. Interviews in: Die Zeit, 4.10. 2017 u. FAZ am Sonntag, 22.10.2017\u00a0\u00a0<strong>\u00a0\u00a0<\/strong><\/span><\/p>\n<p><!-- Piwik --><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\">\n  var _paq = _paq || [];\n  \/* tracker methods like \"setCustomDimension\" should be called before \"trackPageView\" *\/\n  _paq.push(['trackPageView']);\n  _paq.push(['enableLinkTracking']);\n  (function() {\n    var u=\"\/\/www.klaus-janowitz.de\/piwik\/\";\n    _paq.push(['setTrackerUrl', u+'piwik.php']);\n    _paq.push(['setSiteId', '1']);\n    var d=document, g=d.createElement('script'), s=d.getElementsByTagName('script')[0];\n    g.type='text\/javascript'; g.async=true; g.defer=true; g.src=u+'piwik.js'; s.parentNode.insertBefore(g,s);\n  })();\n<\/script><br \/>\n<!-- End Piwik Code --><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>15\/11\/17\u00a0kmjan Soziologische Monographien der letzten Jahrzehnte\u00a0 erschienen bezeichnenderweise immer wieder unter Titeln, die von\u00a0einem einzelnen Begriff aus das Gef\u00fcge sp\u00e4tmoderner Gesellschaften aufrollen:\u00a0Risiko-,\u00a0Erlebnis-, Multioptions-, Abstiegs- gesellschaft,\u00a0Resonanz als Weltbeziehung etc. &#8211; bei Andreas Reckwitz geht es nun um Singularit\u00e4ten als solche. 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