Bildkommunikation: Shoot & Share im mobilen Netz

23/08/12 kmjan
Ohne Bilder wäre das Internet öde: Bilder lockern nicht nur Textwüsten auf, ihr Informationsgehalt wird auch schneller wahrgenommen und sie transportieren Emotionen. Sie erzählen Geschichten über das, was sie zeigen und über den, der sie zeigt. Die Botschaft eines gut visualisierten Textes wird ganz anders aufgenommen. Bis vor kurzem kamen Bilder nur nach vorhergehender Bearbeitung ins Netz: sie mußten von einer Kamera auf einen Rechner geladen bzw. eingescannt werden und konnten dann in html-code eingebunden, oder auf eine Plattform wie flickr oder auch Facebook hochgeladen werden.

Mit der mobilen Revolution hat sich auch die Bildkommunikation im Netz verändert. Zwar reicht die Qualität der Photos von SmartPhones längst nicht an professionelle Kameras heran, sie ist aber ebenso weit entfernt von verwuschenen Handy-Bildern vergangener Jahre. Ihr Vorteil ist die Unmittelbarkeit ohne Zwischenschritte. Von der Bildidee bis zur Veröffentlichung per Shoot & Share vergehen meist nur Sekunden. Mobile Bildkommunikation, das ist bis dato v.a. Instagram. Der Anstieg der Nutzerzahlen ist beeindruckend, auf derzeit (8/12) ca. 80 Mill*.
Bildkommunikation ist unabhängig von Sprachräumen, aber eben nicht ganz von Kulturräumen. Professionelle Nutzung zu Marketingzwecken aus dem deutschsprachigen Raum ist bislang weniger verbreitet und beschränkt sich auf einzelne Photowettbewerbe. Vorreiter sind oft Blogger mit Themen, die von unmittelbaren Bildern leben: Mode/Fashion (insbes. Streetfashion), Design, Reise, aber auch Architektur, Automobil und Food. Reichweiten sind bei Instagram wenig eingeschränkt: mit dem ähnlich wie bei Twitter funktionierendem Follower-Prinzip sind die Grenzen der Community offen, d.h. nicht auf bestätigte „Freunde“ beschränkt. Das spontan geschossene Bild jedes Nutzers hat die Chance auf Aufmerksamkeit und damit eine bislang ungeahnte potentielle Reichweite. Herrschten zunächst eher belanglose, mit Filtern aufgepimpte Motive vor, gibt es mittlerweile das ganze Spektrum: Landschaften, Architektur, Beobachtungen im Alltag, Urlaubsmotive, Bildnachrichten zu aktuellen Ereignissen, Street Photography… und ja: Haustiere mit dem vielzitierten Katzenkontent – und das eigene Essen. Die Scheu, Bilder erkennbarer Personen und sich selber zu zeigen, scheint  geschwunden: ein Klassiker ist das Selbstportrait im Lift, Frisuren, Kleidung und körperliche Vorteile werden präsentiert und sicherlich geht es oft um die Frage „bin ich schön – bzw. bin ich cool?“  Kommunikation dient eben nicht nur der Sachinformation, sondern genauso der (Selbst-) inszenierung – und das ist legitim.

SmartPhones sind immer dabei und fangen unerwartete Momente ein

Für Forschung, für Netnographie und Monitoring ist die mobile Bildkommunikation bislang weitgehend unentdeckt – wohl auch weil textorientierte Werkzeuge nur sehr eingeschränkt (bei Kommentaren) greifen. Dabei zeigen sich hier – verzahnt mit anderen Social Media – raumübergreifende Vergemeinschaftungen, Trends der Alltagsästhetik und Resonanzen zu aktuellen Ereignissen. Für Unternehmen und Organisationen bietet mobile Bildkommunikation neue Möglichkeiten: aktuelle Eindrücke erreichen die  Follower ohne Zeitverzögerung  im Stream. Die Bilder müssen nur überzeugen.

Einen weiteren Ansatz verfolgen die Entwickler von OneSec – ein Instagram für Einsekundenvideos, das die Videofunktionen von SmartPhones nutzt. Dahinter steckt der Gedanke, daß Bewegtbilder Emotionen ganz anders zeigen als statische Bilder – auch bei einer Begrenzung auf nur eine Sekunde. Shoot & Share bekommt damit eine neue Dimension.

Bilder: eigene;  Angaben zu Nutzerzahlen nach netzwertig.com


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