Netnographie
 
   

 

Netnographie

bzw. Netnography, ist ein qualitativer Forschungsansatz, der die in den Sozialwissenschaften entwickelten Methoden ethnographischer (Feld-)Forschung auf die Möglichkeiten der Informationsgewinnung im Internet anwendet.
Geprägt und weiterentwickelt wurde der Forschungsansatz seit 1996 von dem kanadischen Kulturanthropologen und Marketer Robert V. Kozinets. Grundsätzlich ist Netnographie - ebenso wie Ethnographie - weniger eine singuläre Forschungsmethode, denn ein Forschungsprogramm, das eine Vielzahl einzelner Forschungstechniken einbezieht und sie pragmatisch anwendet. Methodisch steht teilnehmende, mehr und mehr aber auch nicht-teilnehmende Beobachtung im Vordergrund, dazu tritt aber ein ganzer „Cocktail“ von Methoden: mehr (Review zu: Netnography. Doing Ethnographic Research online/pdf)

Das Internet ist Medium und Lebenswelt zugleich. Es beschleunigt den Umsatz von Informationen und schafft neue soziale Umgebungen, weitgehend unabhängig von geographischer Nähe. Quantitative Forschung im Internet ist seit Jahren etabliert und nutzt die Vorteile von Schnelligkeit und Effektivität bei der Erreichbarkeit von Zielgruppen, der Gewinnung und der Auswertung von Daten. Im wesentlichen wird das Internet als Medium genutzt, in das die entwickelten analogen Methoden der empirischen Forschung übertragen und angepasst wurden. Geeignete Zielgruppen werden zumeist über Online-Panels erreicht.

In qualitativer Forschung dient das Internet zum einen als mediales Hilfsmittel der Erhebung, z.B. bei Online-Interviews, Online-Focusgruppen oder Online-Tagebüchern - oder aber als zu erforschender sozialer Raum - mit jeweils eigenen Erkenntnisinteressen. Market Research Online-Communities/Panel Communities stellen eine eigens zum Zwecke der (Markt-) Forschung eingerichtete Umgebung dar - oft auf der personellen Basis von Online-Panels.
Netnographie hingegen forscht im natural setting. Der Ansatz bezieht unterschiedliche Methoden in den Forschungsprozess ein - darunter den Einsatz von Social Media Monitoring Analyse Software. Monitoring-Software kann vieles leisten und ist ein wichtiges Werkzeug, aber ersetzt nicht die qualitative Forschung. Man kann Netnographie als Methode und Prozess – Web- (bzw. Social Media-) Monitoring als Werkzeug und Technologie bezeichnen. Als kulturelle Methode ist Netnographie nicht an bestimmte Forschungszusammenhänge gebunden: Ebenso wie sie Unternehmen und Marketern hilft, Marktentscheidungen, die Rolle von Marken und Produkten bei Kunden zu verstehen, können Vergemeinschaftungsformen, Trends und Szenen erforscht werden. Im September haben wir dazu unter dem Titel Netnocamp ein Barcamp veranstaltet. Ein Bericht dazu findet sich im Blogteil meiner Website. neuere Texte zum Thema Netnographie finden sich auf meinem Blog:

Netnographie 2015 - Rezension zu Netnography:Redifined
Vegan - eine Netnographie - am Beispiel der Online-Kommunikation zu "Vegan"
Netnographie oder Social Media Research? - Forschungsperspektiven
Schokolade im Netz: eine (kleine) Netnographie

SocialMedia Netnography

Stämme im Netz - die tribale Metapher
Fairtrade in Social Media

 

Texte (als pdf):

Netnographie - ethnographische Forschung in Online-Communities (2008)

Ethnographische Methoden im Internet und postraditionelle Vergemeinschaftungen In: Ohly, Peter (Hrsg.), Tagungsband zur Wissensorganisation '09 "Wissen - Wissenschaft – Organisation", 12. Tagung der Deutschen ISKO (International Society for Knowledge Organization), 19. - 21.10.2009, Bonn.

Netnographie in Social Media (11/2010)

Rezensionen (pdf):
"Netnography. Doing Ethnographic Research Online" Standards zur Online-Feldforschung Robert Kozinets 2010. pdf 2010
Consumer Tribes: Cova, Bernard, Kozinets, Robert V., Shankar, Avi - Hrsg.
2007. pdf (2008)

Präsentationen (pdf):
10/09 Tagung der ISKO, (International Society for Knowledge Organization), Bonn

01/10 DesignCamp Köln

05/10 Twittwoch Köln

09/10 NetnocampKöln
Präsentation: html - pdf

in English:

 

 
   
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